Baumbewässerungssäcke: Top oder Flop?

Die Wasserversorgung von Stadtbäumen treibt Kommunen vor allem nach einem Trockenjahr wie 2022 um. Immer häufiger werden dazu Baumbewässerungs-säcke aus Kunststoff eingesetzt. Können die Säcke die Erwartungen erfüllen - und was sind die Alternativen für die Baumnachsorge mit Wasser?






Jungbaumversorgung per Baumbewässerungssack: Immer mehr Kommunen versuchen, die Wasserversorgung der Stadtbäume auf diese Weise sicherzustellen und zu vereinfachen. Praktisch sind die Säcke auf Flächen , auf denen schlecht ein Gießrand ausgebildet werden kann wie bei dieser ungebundenen Platzfläche des Washingtonplatzes am Berliner Hauptbahnhof . Andererseits könnte man die grünen Säcke als neuentdeckten Teil des Mülltrenn- und 

Einsammeluniversums  in der Tradition des Gelben Sacks halten... 




Auf kommunaler Ebene werden aus eigener Beobachtung zunehmend sog. Baumbewässerungssäcke verwendet, über die ähnlich einer Tropfbewässerung kontinuierlich Wasser in Stammnähe abgegeben wird. Der Boden der Säcke ist dazu fein perforiert. Eine Vollfüllung Wasser tropft dabei je nach Modell in einem Zeitraum von etwa 2 bis 10 Stunden.


Der Sack wird dazu um den Stamm herum gelegt und meist per Reißverschluss geschlossen. Ein Gießrand wird bei 'sackversorgten' Jungbäumen i.d.R. nicht mehr ausgebildet. In den Produktbeschreibungen des MEYER-Katalogs werden Säcke mit einem Inhalt zwischen 60 und 100 l für Bäume mit Stammumfängen ab 8 bis 30 cm empfohlen.

 

Nun sind diese Säcke ein weiteres 'Accessoire' im Katalog der Standortvorbereitung, Baumpflanzung und Baumnachsorge, mit dem die Hersteller verdienen möchten. 


Unter Einbeziehung einer Presseschau nach dem Trockensommer 2022 sollen nachfolgend Vor- und Nachteile zusammengestellt und ein vorläufiges Fazit gezogen werden:



Pro Bewässerungssack!

  • flexible Handhabung, nachträgliche Ausrüstung/ jederzeitige Entfernung möglich, Wiederverwertbarkeit; Einlagerung während der Vegetationsruhe möglich

  • wartungsarm, geringere Fehleranfälligkeit im Vergleich zu unsachgemäßer Schlauchbewässerung

  • effiziente Wasserversorgung, keine Verdunstung oder seitliches 'Weglaufen' des Wassers wie bei Gießrandbefüllung; durch Kombination mehrerer Säcke sind auch größere Wassermengenabgaben möglich
  • längere Versorgung bei kurzem Füllgang, Zeitersparnis Sackbefüllung im Vergleich der gleichen Wassermenge per Handbewässerung in den Gießrand

  • Wasserversorgung auch auf Flächen wie ungebundenen Deckschichten (‚wassergebundene Wegedecke‘) möglich, da Gießrand entbehrlich

  • dosiergenaue Zumischbarkeit von Zusatz- und Hilfsstoffen wie Dünger oder Huminsäure möglich (Nährstoffversorgung, Salzbinder, Bodenaktivator), jedoch Gefahr, dass bestimmte Stoffe die Poren des Sackes verstopfen

 

Kontra Bewässerungssack!

  • Füllmengenbegrenzung
Die Kombination von zwei Säcken mit dann etwa 100 bis 120 l Wasserfüllung bedeuten umgerechnet auf Mindestwassermengen je Wässerungsgang einen Durchgang und damit die Erfordernis zum regelmäßigen Auffüllen der Säcke; einzelne 50- oder 60-Liter Säcke erfüllen im Grunde genommen nicht die Mindestwassermengen je Wässerungsgang

  • relativ umständliche Schlauchbefüllung der Standard-Säcke
Alternative sind 'Gießringe' oder Säcke mit extra großer Einfüllöffnung, die sich mit großer Technik schneller befüllen lassen

  • überwiegend oberflächliche Bodendurchfeuchtung 

Aufgrund der eher geringen Wassermengen und Durchfeuchtung nur der obersten Bodenschicht vor allem bei Verwendung kleiner Einzelsäcke kann zu einer ungünstigen Entwicklung des Wurzelwerks bei Jungbäumen führen. Das Wurzelwachstum richtet sich  auf oberste (befeuchtete) Bodenschicht, wodurch die Trockenstressgefahr wächst. Diese Beobachtung wurde bei Jungbäumen in Hannover gemacht.  Die Bewässerungssäcke wurden daraufhin abgeschafft und zur manuellen Bewässerung über Gießringe und Gießränder zurückgekehrt. (Quelle: Meldung Hannoversche Allgemeine vom 22.07.2022: Stadt Laatzen lagert Bewässerungssäcke ein und gießt Bäume wieder per Hand)

  • Beobachtung von Hitzeschäden am Stamm im Bereich der Säcke (Sommer 2022)
Mögliche Abhilfe könnte eine Befestigung der Säcke nicht am Stamm, sondern an Baumverankerungspfählen sein (Quelle: Meldung TASPO Garten Design, Ausgabe 5 September/ Oktober 2022, Beitrag von Martina Borowski: Bäume richtig wässern – aber wie?)

 




Falsche Anwendung von Baumbewässerungssäcken bei Altbäumen: In Stammnähe angebracht nutzlos bis schädlich


  • Nutzlos bis schädlich für alte Bäume bei Installation um den Stamm 
In unmittelbarer Stammnähe findet mangels Feinwurzeln bei Altbäumen keine Wasseraufnahme statt. An Stämmen älterer Bäume im Bezirk Berlin-Mitte wurde unter stammnah installierten Säcken sogar Pilzbefall festgestellt (Quelle: Meldung in BZ vom 19.07.22: Enormer Wasserverbrauch ohne Nutzen – Wasser für Berliner Bäume – Bewässerungssäcke wenig sinnvoll).

Eine Empfehlung lautet: Standard-Wassersäcke sollten nur für Jungbäume während der Anwachsperiode in den ersten drei Jahren verwendet werden. Für Altbäume bietet der Markt spezielle Produkte: Diese großvolumigen Säcke mit Füllmengen zwischen 400 und 1.500 l werden nicht am Stamm sondern im Traufbereich des Altbaumes ausgelegt, also dort, wo Feinwurzeln zur Wasseraufnahme wachsen. Das funktioniert theoretisch sogar auf befestigten Flächen, wenn die Fugen ausreichend wasserdurchlässig sind

  • Anfälligkeit für Vandalismus (v.a. in Innenstadtlagen) und Diebstahl

  • Leistungsverringerung bis Versagen im Laufe der Zeit durch Zusetzen der Poren/ Bewässerungsöffnungen, 
Dieses Risiko besteht insbesondere, wenn zur Befüllung kein Trinkwasser verwendet wird - es gibt jedoch auch Säcke, bei denen die Wasserabgabe über Nähte erfolgt, so dass auch Brauchwasser verwendet werden kann

  • Müllerzeugung am Ende der Lebensdauer: vermeidbarer Kunststoffmüll
Als Lebenszyklus gibt MEYER für Säcke aus PE 3 bis 4 Jahre an, für Säcke aus PVC (UV-empfindlich) lediglich zwei Jahre (https://info.meyer-shop.com/bewaesserungssackvergleich)

  • Gefahr der Beschädigung bei unsachgemäßem Einsatz von Freischneidern

  • Beobachtungen von Verbiss durch Wühlmäuse bei Verwendung in Vororten/ in der freien Landschaft (Meldung vom 15.06.2021 in Die Rheinpfalz: Bewässerungssäcke für Bäume im Stadtgebiet auf dem Prüfstand)



Aus planerischer Sicht sind die Beobachtungen zur Fehlentwicklung des Wurzelwerks bei Jungbäumen, die Nutzlosigkeit einer stammnahen Bewässerung bei Bestandsbäumen und der Faktor Kunststoffmüll kritisch zu beurteilen. 





'Bewässerungssets' aus Drainrohrring: 

Vergrabener Plastikmüll



Die Müllproblematik erinnert an das massenhafte Vergraben der sogenannten ‚Bewässerungssets‘, bestehend aus einem Kunststoff-Drainagerohrring DN 100 plus vertikalem Einfüllstutzen. Neben häufigem Falscheinbau (zu hoch) führt die Verwendung von luftgefüllten perforierten Rohren im Erdreich zum Eindringen von Wurzeln in derartige Vorrichtungen.

Das Wurzelwerk hat bei regelmäßiger Ringbewässerung wenig Anlass, auch in tiefere Bodenschichten mit einem höheren natürlichen und nachhaltigen Angebot an pflanzenverfügbarem Wasser zu wurzeln. 


Die ‚Bewässerungssets‘ haben einen weiteren Nachteil - kurz nachgerechnet:  Ein Bewässerungsring DN 100 mit einem Meter Durchmesser fasst bei Vollfüllung etwa 25 Liter Wasser – und damit nur etwa ein Viertel der empfehlenswerten Wassergabe je Wässerungsgang. 


Weder ist die Versickerung des eingefüllten Wassers kontrollierbar noch der Zeitpunkt, an dem im Grunde genommen drei Mal bis zur Mindestwassermenge nachgefüllt werden müsste – nämlich dann, wenn das eingefüllte Wasser vollständig aus dem Ring versickert wäre.



Klassiker der Baumnachsorge: 

Gießrand plus Baumschnorchel

 

Eine praktikable und müllarme Bewässerungsmethode bleibt die Kombination von Gießrand plus vertikaler Baumbewässerungseinrichtung – besser bekannt als ‚Baumschnorchel‘ 


(Link zum Produkt: https://www.meyer-shop.com/baumschnorchel-20-l-blaehton-im-juteschlauch)

 

Diese gut 1 m langen und im Durchmesser rd. 15 bis 20 cm messenden Schnorchel bestehen aus mit ca. 20 Litern Blähton gefüllten Jutebeuteln. 


Mit der Baumgrubenverfüllung werden i.d.R. vier Schnorchel je Grube vertikal an die Grubenwände gestellt und verfüllt. Neben der Verbesserung des Boden-Gas-Austausches speichert der Blähton Feuchtigkeit und Wassergaben über den Gießrand gelangen bis tief in die Baumgrube.






Künstlicher Gießrand aus HDPE für die

 Erleichterung der Wässerung der Solitärgehölzpflanzungen auf dem Schnelsener Autobahndeckel an der Heidlohstraße 



Eine weitere, weniger häufig zu beobachtende Gießhilfe ist der künstliche 'Gießrand'. Dabei handelt es sich um auf Rolle gewickelte, 2 bis 3 mm dicke und 250 bis 300 mm breite Kunststoffstreifen aus HDPE oder LDPE (leider: kein Recycling-Material).


Streifen werden als mit einer speziellen Kupplung verbundener Ring etwa 10 cm tief um die Baumscheibe eingesenkt. Damit verbleiben etwa 15 bis 20 cm Ringüberstand, in den hinein gewässert werden kann: 


Bei einem Ringdurchmesser von 80 cm (= 2,50 lfm Ring) können bis zur Vollfüllung bis etwa 100 l Wasser in den Ring gegeben werden.




Kostenvergleich von Bewässerungseinrichtungen


Im Kostenvergleich (nur Materialkosten) liegen die Investitionskosten für Baumschnorchel mit etwa 12 bis 20 € je 20-Liter-Schnorchel (4 Stk pro Baum sind sinnvoll) über denen für Bewässerungssäcke (je nach Größe ca. 12 bis 20 € pro Stück) oder dem unsterblichen ‚Baumbewässerungsset‘ aus Drainagerohrring (ca. 25 bis 75 €). Der Kunststoff-Gießring von der Rolle kostet umgerechnet auf 2,50 lfm plus Kupplung gut 11 €.



Fazit


Die Zeitersparnis der Bewässerungssäcke dürfte Hauptfaktor bei der Verwendungsbegeisterung vieler Kommunen sein. Es gibt jedoch auch im städtischen Umfeld viele Standorte, an denen sich fachgerecht Gießränder plus Baumschnorchel herstellen lassen, über die die erforderliche Mindestwassermenge per Hand gewässert werden könnte ohne künftigen Kunststoffmüll gleich flächendeckend zu produzieren: 


Denn ein gewichtiger Nachteil der Säcke aus PE und vor allem aus PVC ist die verhältnismäßig kurze Lebensdauer. Säcke aus RC-Material werden unser Kenntnis nach bislang nicht angeboten.


Das Verhalten des Wurzelwachstums bei Jungbäumen bei Sackbewässerung sollte näher untersucht werden - vielleicht eignet sich dies als Thema für eine Bachelorarbeit?




Veröffentlicht in Baumpflege am 25.09.2022 18:34 Uhr.

Was die meiste Gartenarbeit verursacht - TOP 3: Übertriebener Rasenfetisch

Rasenflächen gehören zum guten Grünton eines Gartens, bilden den immergrünen Grundlayer, gelten als pflegeleicht und finden sich in nahezu jedem Garten. Und können viel Arbeit verursachen.

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Bisher in der Serie Pflegeleicht? erschienen:


Pflegeleicht!


TOP5: Verwendung von Einjährigen und nicht winterharten Pflanzen


TOP4: Falsche Belagswahl im Garten


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Für eine topgepflegte, dichtnarbige und sattgrüne Rasenfläche wartet hier noch viel Arbeit



Wer einen wirklich gepflegten und dichtnarbigen Rasen ohne Moos, Klee, Löwenzahn und Gänseblümchen haben möchte, der muss seinen Rasen während der Wachstumsperiode am besten wöchentlich mähen, dazu regelmäßig düngen und – um eine nachteilige Veränderung der Gräsergesellschaft zu verhindern – bei Trockenheit stets ausreichend wässern


Ohne näher auf die Unverzichtbarkeit regelmäßigen Vertikutierens und Aerifizierens einzugehen, merken Sie: Ganz so pflegeleicht ist eine Rasenfläche bei gewissen Ansprüchen gar nicht … 


Besonders anstrengend und aufwändig wird es, wenn hohe Ansprüche an eine lückenlose, sattgrüne Rasenfläche auf große Bäume und der von ihnen erzeugten Schattenlage der Fläche treffen.





Randlage einer Rasenfläche unter der Krone 

einer großen Magnolie: Trockenheit, Beschattung 

und Tritt lassen hier auf der ehemals mit einer Schattenvariante eines Rollrasenherstellers 

ausgelegten Fläche keinen Rasen mehr wachsen 



Jörg Pfenningschmidt, Autor des Buches ‚Hier wächst nichts. Notizen aus unseren Gärten‘ (zusammen mit Jonas Reif, Ulmer Verlag), fragt sich


 woher die absurde Vorstellung kommt, dass Rasen der pflegeleichteste Teil eines Gartens sei (…)“ 


und äußert eine Vermutung, warum ein Garten ohne Rasenflächen für viele Gartenbesitzer unvorstellbar sind:



„Rasen nimmt dabei eine Sonderstellung im Garten ein. Im Gegensatz zu Bäumen, Sträuchern, Unkraut und Stauden, die eindeutig dem Reich der Pflanzen zugeordnet werden, wird Rasen als Hybridzustand zwischen belebter und unbelebter Materie angesehen. Rasen ist nicht direkt Pflanze und nicht direkt Teppich.“

 





Hybridzustand zwischen belebter 

und unbelebter Materie




Erstaunlich verbreitet sind noch immer kleine bis winzige Rasenflächen in Vorgärten, gerne auch in Nierenform: Hier wird der grüne „Teppich“ ausschließlich zum Rasenmähen betreten – denn für einen Automover sind die Flächen schicht zu klein. Das ist zwar immer noch besser als ein Schottervorgarten oder ästhetischer als das Konzept ‚schwarze Erde plus mittig ausgerichteter Strauch‘, aber die Mahd dieser Winzflächen ist letztlich reine repetitive Pflichterfüllung. 

 





Vorgarten-Rasenfläche unter einem Baum, 

Flächengröße ca. 3 qm: Macht Rasenpflege 

hier wirklich Freude? 



Eine bodendeckende Bepflanzung als Rasenersatz (kleinflächig, ideal für eine Fläche wie auf dem obenstehenden Foto zu sehen) kann die Pflege derartiger Flächen verringern – ohne  (bei richtiger Pflanzenauswahl) auf einen ein ganzjährig grünen Teppich verzichten zu müssen.


Für absonnige bis schattige Flächen eignen sich beispielsweise Cotula-Arten und Sorten (Zwerg-Fiederpolster, begehbar), Waldsteinia ternata 

(Teppich-Ungarwurz, bildet flache Teppiche, weniger trittfest) oder auch das mattenbildende Sternmoos (Sagina subulata), was beispielsweise in den Projekten ‚Gärten des Jahres 2022‘ ‚trendet‘ und mehrfach als Fugenvegetation zwischen Schrittplatten auftaucht. 

 

Nicht ganz so flach wachsen die klassischen bodendeckenden Stauden aus dem Lebensbereichen Gehölz/ Gehölzrand wie z.B. die Gruppe der wintergrünen Sorten und Arten der Elfenblume (Epimedium), die wintergrüne Fragaria vesca (Monats-Erdbeere) oder der immergrüner Laubschlucker Pachysandra terminalis.

 

Für sonnige Flächen auf eher ärmeren, trockenen Böden eignet sich der rasenbildende Scharfe Mauerpfeffer (Sedum acre) oder das Bruchkraut (Herniaria glabra). 

 

Auf frischen bis feuchten Böden in der Sonne funktionieren der heimische wintergrüne Kriechende Günsel (Ajuga reptans) oder die ebenfalls wintergrüne Monats-Erdbeere (Fragaria vesca, Vorsicht: Ausläufer können nerven) sowie viele wintergrüne Storchschnabel (Geranium), wobei diese wenig trittfest sind.

 

Als bodendeckender wintergrüner Rasenersatz auch auf größeren sonnige Flächen mit trockenem bis frischem Boden bietet sich mit seinem starken Ausbreitungsdrang der etwa 30 cm hohe Halbstrauch Hypericum calycinum (Teppich-Johanniskraut) an. Dessen ursprüngliche Herkunft vom Balkan aus der Gegend um Griechenland, dem südöstlichen Bulgarien und Türkei deutet bereits auf eine gute Trockenheitsverträglichkeit der Pflanze hin (Sommer 2022). Der Halbstrauch gilt als bester blühender Bodendecker.


Für alle diese Vorschläge gilt allerdings auch: Eine Nutzung wie eine Rasenfläche erlauben diese Pflanzungen nicht - aber das wird von Rasenersatzflächen wie im Falle der Mini-Vorgartenrasenfläche ohnehin nicht erwartet.

 

 

‚Pflegeleicht‘ lässt sich bei Betrachtung eines möglichen Maschineneinsatzes bei Rasenflächen vielleicht am treffendsten durch den Begriff ‚pflegeeinfach‘ ersetzen

 

‚Zum Rasenmäherschieben findeste immer jemanden‘ wusste schon Großvater– und heutzutage kann das Rasenmähen natürlich auch durch einen Rasenmähroboter (Automover) erfolgen – mit allen unerwünschten Auswirkungen auch auf die Pflanzen- und Insektenwelt.


(Insektenfreundlicher Garten; Zierrasen: zwischen pflegeleicht und artenarm)

 

Sprechen wir über Rasen, so gehören unter dem Aspekt der Pflegeleichtigkeit unbedingt auch die Rasenkanten als Abgrenzung zu benachbarten Vegetationsflächen dazu: In Pflanzflächen, keine eine eigene Einfassung mitbringen, wächst Rasen ein. Die Kanten müssen gestochen, Gräseraufwuchs aus Nachbarflächen entfernt werden.





Von Gräsern überwachsene Abgrenzung zwischen 

Rasen- und Pflanzfläche: 

Einfassungen aus Feldsteinen sind nicht pflegeleicht 

und auch als Randbegrenzung für den Einsatz von Automovern ungeeignet 



Eine wenigstens 10 cm breite Steinkante wie aus Natursteinpflaster (Großpflaster), Betonsteinpflaster oder einer Klinkerroll-/ Flachschicht hat den Vorteil, dass der Rasenmäher an/ auf dieser Kante geführt werden kann. Bei korrekter Verlegung der Begrenzungsschleife für den Automover, also dem richtigen, jeweils modellspezifischem Abstand von der Mähkante lässt sich mittels Mähkanten ein randscharfer Schnitt erzielen. Nacharbeiten können so weitgehend entfallen.






Bild links: Feldsteine (hier: noch im frisch verlegten Zustand) sind als Abgrenzung zwischen Rasen- und Pflanzfläche ungeeignet, da Rasen in die Fugen einwächst und aufgrund der uneinheitlichen Kante nicht randscharf gemäht werden kann | Bild rechts: funktionale und optisch gute Mähkante aus gebrauchtem Natursteinpflaster


 

Kleine Pflanzinseln innerhalb einer Rasenfläche haben im Post-Elektrokabel-Rasenmäher Zeitalter hinsichtlich der eines Fadenspiels gleichen Anforderungen an die Kabelführung ihren Schrecken verloren.





Für manche ein Träumchen aus Rasen und Rosen, für manche ein Albtraum aus dem Leben eines Spiessers: Pflanzinselchen innerhalb einer Rasenfläche sind im Gartenzeitalter des Automovers nur eine Frage der korrekten Installation der Begrenzugsschleife

 


Mit Mähkanten eingefasste Inselchen wirken optisch leider schnell wie ein (zu) enges und aus gartenästhetischer Sicht eher spießiges Korsett. 

Eine Alternative können Rasenkanten-Bänder aus Stahl sein, die fast unsichtbar Rasen- von Pflanzfläche trennen, allerdings dann nicht die Rollfläche für das Rasenmäherrad bieten.

 

Die Sommertrockenheit 2022 hat viele Rasenflächen in graubraune kratzige Schrubberbürstenflächen verwandelt. Der Rasen sollte bei Trockenheit schon einmal grundsätzlich nicht zu kurz geschnitten werden, doch unter dem Strich geht es für eine satte Grünfärbung nicht ohne ausgiebige Wässerungsgänge. ‚Ausgiebig‘ bedeutet 10 bis 15 l je qm

 

Je nach Rasensprengermodell und dem Wasserdruck, der tatsächlich am Regner ankommt, bedeutet das Regnerlaufzeiten zwischen etwa 60 und 90 Minuten – je Beregnungssektor. Nur dann dringt das Wasser auch in tiefere Schichten ein und erlaubt größere Beregnungsintervalle nach der Formel ausgiebig aber nicht so oft. Ratgeber empfehlen sogar, nach Niederschlägen zu wässern, da die oberste Bodenschicht dann bereits durchfeuchtet sei. 

 





I will survive! Auch ohne Bewässerung erholen 

sich die meisten Rasenflächen dank ihrer

Regenerationskraft nach natürlichen 

Niederschlägen wieder. Foto oben: 15.08.22



26.08.22



14.09.22

 


20.09.22




Die Nutzung von Trinkwasser für derartige Rasenbewässerung wird künftig womöglich zumindest örtlich und zeitlich beschränkt werden. Gut, wenn eine Zisterne zur Zwischenspeicherung von Regenwasser hat. Und wenn für die Gartenbewässerung schon auf Trinkwasser zurückgegriffen werden muss, dann lässt sich das Wasser nachhaltiger für die Bewässerung von Bäumen, Obstbäumen und Gemüsekulturen einsetzen. 


Rasen und ‚pflegeleicht‘ – das geht bei Sommertrockenheit im Grunde nur zusammen, wenn auf die natürliche Regenerationskraft des Rasens bei ausreichend natürlichen Niederschlägen gesetzt wird – und bei der Herstellung der Rasenfläche das geeignete Saatgut verwendet wird. So gibt es speziell Rasensaatgutmischungen für trockenheiße Standorte oder für Schattenlagen. 

 

 


Abschließend ein Wort zu Rollrasen: 


Beim Rasen ‚von der Rolle‘ gibt es i.d.R. nur eine sehr begrenzte Auswahlmöglichkeit bezüglich der Gräserzusammensetzung – so bieten einige Hersteller einen speziellen Schatten-Rollrasen an. Das war es aber dann auch. Der Hauptvorteil des Rollrasens liegt im #schnell fertig und einer Abdeckung des Rasenplanums und damit einer hemmenden Wirkung auf Lichtkeimer im vorhandenen Boden. 



Rollrasen wird in der Rasenschule i.d.R. auf sandigen Böden und natürlich unter optimalen Bedingungen (Wasser, Dünger, Pflanzenschutzmittel) kultiviert.


Mit geeigneten Rasensaatgutmischungen lässt sich per Ansaat ein viel besser an die tatsächlichen Standortbedingungen der Fläche angepasster Rasen herstellen. 


Im Unterschied zum Rollrasen wird eine angesäte Fläche am Endstandort robuster und damit pflegeleichter sein.

 

Hinzu kommen Treibstoffverbrauch und Transportwege für den Rollrasen – alles in allem kein ökologisch vorteilhafter ‚Fußabdruck‘ des Rollrasens gegenüber mit einer geeigneten Saatgutmischung an angesäten Flächen. 

 




Chill mal, Rasen! Schattenplätzchen unter einem Apfelbaum im Jardin Plume (Normandie) - ein hinreissend poetischer (Gräser-)Garten, der mit Ausnahme der Gemüseflächen ohne künstliche Bewässerung auskommt/ auskommen muss



Weniger Rasenfetisch, mehr Gelassenheit in Sachen Rasen und keine Mini-Rasenflächen, so könnte das Fazit der TOP 3 der Arbeiten lauten, die (vermeidbare) Arbeit im Garten bedeuten.




Veröffentlicht in Pflanzenverwendung am 21.09.2022 8:29 Uhr.

Chapeau, Michaela!

Wer als Abholer oder Lieferant bei uns auf den Hof kommt, der kennt sie: Michaela Neumeister managt gemeinsam mit ihrer Schwester Ilona den Versand


01.09.2022: 35 Jahre bei Bradfisch


Seit ihrer Ausbildung im Jahr 1987 ist Michaela zu einem ganz wichtigen Teil unseres Teams geworden - sowohl als Mitarbeiterin wie auch für unsere Mitarbeitenden. 



Sommer 2002: CC-Karren packen


Wir ziehen unseren Strohhut vor 35 Jahren Betriebszugehörigkeit - und sagen DANKESCHÖN mit einem spätsommerlichen Blumenstrauß und Tankgutscheinen für die nächsten paar tausend Kilometer.




Winter 2008: Gabelstaplerbeherrschung



Bitte bleib' uns noch lange erhalten, liebe Michaela!



Veröffentlicht in Baumschule am 01.09.2022 16:25 Uhr.

Was die meiste Gartenarbeit verursacht - TOP 4: Falsche Belagswahl für befestigte Flächen im Garten

Wir verlassen für die TOP 4 kurz die Pflanzenwelt und wenden uns den befestigten Flächen zu. Zu den letztlich in jedem Garten zu findenden Befestigungen zählen Hauszuwegung, Zufahrt und Terrasse. Als Grundstücksinfrastruktur sind diese Flächen unverzichtbar. Die Art der Oberflächenbefestigung bestimmt dabei den späteren Pflegeaufwand - und wir meinen nicht nur den 'Besendienst'

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Bisher in der Serie Pflegeleicht? erschienen:


Pflegeleicht!


TOP5: Verwendung von Einjährigen und nicht winterharten Pflanzen


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Einerseits: Befestigte Flächen sind keine Pflanzflächen und benötigen logisch keine gärtnerische Pflege. 


Andererseits: Befestigte Fläche ist nicht gleich befestigte Fläche. Je fugenreicher eine Oberflächenbefestigung im Garten ist, desto aufwändiger kann ihre Unterhaltung sein. 






Ein nahezu vollversiegelter Vorplatz eines Einfamilienhauses in Vorortlage: Trotz Pflasterorgie alles andere als pflegeleicht und optisch befriedigend - und nein, es handelt sich nicht um den Platz eines Gebrauchtwagenhändlers (es handelt sich hier allerdings auch nicht mehr um einen Garten, weder im engeren noch weiteren Sinne)



Wenn eine Asphalt- oder Ortbetonfläche das fugenlose Extrem darstellt, markieren ungebundene Oberflächenbefestigungen aus feinen Kieseln, Splitt und schließlich einer ungebundenen Deckschicht („wassergebundene Decke“) das andere Ende des Befestigungsgrades.  

 

Eine fugenreiche Oberfächenbefestigung im Garten wirkt harmonisch und gestalterisch angenehm, eine fugenlose oder -arme Oberfläche kann cool und stylish (oder - und hier kommt es auch auf die passende Umfeldgestaltung an - leblos und tot) wirken. 


Neben unterschiedlichen Auswirkungen auf Kleinklima, Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Insekten hat die Wahl des Belages für Wege- und Terrassenflächen im Garten entscheidenden Einfluss auf die Pflegeleichtigkeit. 




Ungebundene Deckschicht ('wassergebundene Decke') als Oberflächenbefestigung für eine Grundstückszufahrt funktioniert durchaus, kann aber pflegeaufwändig werden, wenn wenig genutzt (Unkrautaufwuchs) oder zu stark genutzt (Ausbesserungsbedarf)



Ungebundene Deckschichten ('wassergebundene Wege') sind eine preisgünstige Art der Wegebefestigung und weisen aufgrund des Materials eine gewisse Wasserdurchlässigkeit auf - können jedoch unter Witterungseinflüssen Funktionalität einbüßen: Schmierig nach Regenfällen, schlecht zu räumen bei Schnee. Werden Flächen aus ungebundenen Deckschichten nur wenig genutzt, wird sich unerwünschter Aufwuchs zeigen und die Fläche allmählich zuwachsen. Je nach Oberbau sind ungebundene Deckschichten auch per Pkw befahrbar. Bei Garagenzufahrten wird durch Spurfahrt die Deckschicht jedoch leiden.


Ungebundene Deckschichten benötigen Pflege: Fehlstellen (z.B. durch Ausspülung oder Nutzung) sollten regelmäßig ergänzt, Unkrautaufwuchs entfernt werden. Gut gepflegte ungebundene Deckschichten in öffentlichen Flächen werden regelmäßig 'abgeschleppt'.


Fazit: Ungebundene Deckschichten lassen sich im Garten verwenden, müssen aber als pflegeaufwändiger und nicht immer komfortabler Belag (feuchte Witterung: Deckschicht unter der Sohle) eingestuft werden.





Knirschende Kieselsteine als einfache und wasserdurchlässige Befestigungsart: Mit geeigneter Tragschicht, ggfs. einer Stabilisierungslage und wenig Laub-/ Nadeleintrag aus benachbarten Bäumen kann eine derartige Oberflächenbefestigung für längere Zeit pflegeleicht sein - auf diesem Bild erkennbar: Unkraut wächst hier vom Rand her



Mineralischer Mulch aus Kieselsteinen oder Splitt ist im Grunde genommen ebenfalls eine ungebundene Decksicht, preisgünstig in der Herstellung und wird sogar als pflegeleichter Wegebelag angepriesen.


Für eine Befahrbarkeit der Fläche ist je nach Tragfähigkeit des vorhandenen Untergrundes eine geeignete Tragschicht z.B aus Kies oder Schotter herzzustellen und zu verdichten.


Doch sollte bei dieser Art der Flächenbefestigung der Boden frei von Wurzelunkräutern bzw. die Einlage eines Unkrautvlieses/ Bändchengewebes (wasserdurchlässig) als Trennlage oder - sehr sinnvoll bei befahrbaren Grundstücks-/ Garagenzufahrten - von geeigneten Wabenplatten (bitte aus Recycling-Kunststoff) zur Stabilisierung und ebenfalls als Trennlage obligatorisch sein. 


Sonst sind diese Flächen durch Aufwuchs von unerwünschten Kräutern und Gräsern ebenso aufwändig zu pflegen wie ein normaler Gartenboden. 


Wenn in der Nähe zu Kieselflächen Kiefern, Lärchen oder Birken wachsen, dann sind diese mit ihren hakeligen Nadeln und kleinen Blättchen die Endgegner für die Kieselfläche … Denken Sie einfach an Flokati und Kekskrümel!



Fugenreiche Oberflächenbefestigungen im Kronentraufbereich und Schatten von Gehölzen werden sich anders entwickeln als fugenarme Beläge. Während sich unter Gehölzen bei ungebundenen Deckschichten (s.o.) allmählich eine Humusschicht bildet, die das Auflaufen unerwünschten Aufwuchses fördert, neigen fugenarme Beläge zur Bildung von Biofilm (Algen und Moose) und werden – vor allem, wenn wenig Verkehr herrscht – schnell rutschig.

 




Natursteinpflasterflächen mit ungebundener Fuge sind hinsichtlich des Pflegeaufwandes nicht pflegeleicht: Je nach Standort und Nutzungsintensität ist mit Unkrautaufwuchs in den Fugen zu rechnen. Aufgrund des Verbotes von Pflanzenschutzmitteln auf befestigten Flächen (ja, auch Essigsäure ist verboten!) bleibt nur ein ökologisch fragwürdiges Abflammen des Flächen oder eben die mechanische Entfernung von Unkraut. Moosbildung in den Fugen ist eher hilfreich und 'stabilisiert' die Fugen - wo Moos wächst, wächst eher kein Unkraut





Großpflaster Naturstein aus Reihensteinen: Fugenaufwuchs nimmt mit Nutzungsintensität ab - zur optischen Anbindung an benachbarte Rasenflächen (wie auf dem Bild zu sehen) kann derartiger Fugenaufwuchs auch wünschenswert sein und den Übergang zu einem Rasenfugenpflaster darstellen



Ein Behelf gegen Aufwuchs aus breiten offene Fugen beispielsweise bei Natursteinpflasterflächen (Kleinpflaster, Großpflaster; Fugenbreiten je nach Steinformat etwa zwischen 10 und 25 mm) ist die starre Verlegung mit gebundenen Fugen – Unkrautaufwuchs aus Fugen ist damit kein Thema mehr. Lebensraum bieten diese Fugen dann allerdings auch nicht mehr.  Aus gartenästhetischer Sicht büßt das Natursteinmaterial durch die Fugenfüllung mit 2-komponentiger- oder zementgebundener Fugenfüllung sicherlich ein Gutteil ihres Charmes ein und im Unterschied zum Betonsteinpflaster auch ein wenig von der Eigenschaft, in Würde mit Patina zu altern. 






Frisch verlegtes Groß- und Kleinpflaster aus Naturstein mit zementgebundener (starrer) Fuge: Nach Bewitterung vergraut die optisch noch sehr prägnante Fugenfüllung in Richtung 'unauffällig' - epoxydharzgebundene Fugen wirken durch die gewisse Körnigkeit 'natürlicher' und es stehen zahlreiche Farben zur Verfügung, so dass sich Fugenfarbe und Steinfarbe aufeinander abstimmen lassen


Sollten Sie eine solche starre Verfugung in Betracht ziehen, ist die Beratung von Fachleuten (ggfs. unter Nennung von Referenzflächen) unbedingt empfehlenswert. Eine Fachfirma kann Ihnen auch einen fachgerechten, zum Belag, der Verfugung und der erwarteten Belastung/ Nutzung der Fläche geeigneten Oberbau (Tragschichten) und abgestimmte Bettung anbieten. Auch die Entscheidung, ob eine starre aber gleichzeitig wasserdurchlässige Verfugung hergestellt werden könnte, um Niederschlagswasser vor Ort dem Boden zur Verfügung zu stellen und nicht abzuleiten, sollten Sie nicht ohne fachliche Beratung treffen.





Unterschiedliche Betonsteinpflasterflächen, die regelmäßig befahren werden: Zwischen den engfugig verlegten Pflastersteinen wächst hier nichts





Beton-Verbundpflaster einer selten genutzten Stellplatzfläche: Unerwünschter Aufwuchs auch aus engen Fugen



Betonsteinpflaster- und Naturstein- und Betonsteinplattenflächen weisen nur schmale Fugen auf bzw. sind je nach Format fugenarm. Bei regelmäßiger Nutzung der Flächen wird Fugenaufwuchs i.d.R. 'abgetreten' bzw. durch die Reifen- und Pflasterbewegungen auf befahrenen Flächen zerquetscht/ abgeschoren. Aufwuchs aus diesen engfugig (= 3 bis 5 mm Fugenbreite) verlegten Materialien lässt sich (im Unterschied zur Entfernung aus den breiteren Fugen von Natursteinpflaster) nur sehr mühsam entfernen.


Wenig befestigte Flächen bedeutet auch wenig Pflege dieser Flächen. Hinzu kommt ein geringerer Versiegelungsgrad ihres Grundstücks und somit ggfs. geringere Gebühren für nicht versickerungsfähige Flächen. Im Garten muss bestimmt nicht jede Ecke per ausgebautem Weg erschlossen werden und auch bei einer Doppelgarage müssen nicht immer riesige Garagenvorplätze gepflastert werden. 


Wenn Sie sich die Frage nach einer pflegeleichte Oberflächenbefestigung stellen, dann wägen Sie Optik und Funktionalität (und Budget) ab. Pflegeleicht können an geeignetem Standort und bei entsprechender Nutzung sowohl fachgerecht hergestellte Kiesel- und Splittflächen sein wie auch dauerhaft starr verfugtes Natursteinpflaster oder engfugig verlegte Pflaster- und Plattenbeläge. 





Stellplatzbefestigung mit wasserdurchlässigen Rasengitterplatten (hier: aus Beton) - gut geeignet für nur gelegentlich genutzte Flächen. Bei regelmäßig befahrenen bzw. beparkten Flächen hat es Rasenaufwuchs schwer. Häufig verunkrauten auch Randbereiche solcher Flächen



Oder Sie machen Aufwuchs gleich zum Hauptdarsteller - indem Sie z.B. für einen Stellplatz oder eine Zufahrt einen wasserdurchlässigen Belag mit aufgeweiteten Fugen als Rasenfugenpflaster bzw. einen entsprechenden Baustoff (Rasefugenstein, Rasengitterplatte) verwenden. 


Damit bei Pflasterbaustoffen die eigentliche Fläche möglichst lange intakt und ohne Stolperkanten begehbar bleibt, sind geeignete Randeinfassungen und ein der zu erwartenden Belastung und dem Untergrund entsprechende Oberbau (Tragschichten) entscheidend.





Veröffentlicht in Pflanzenverwendung am 19.08.2022 9:15 Uhr.

Aufforderung zur Impfung

Trüffel + Bäume = Trüffelbäume! 




Burgundertrüffel (Foto: Zoonar/ Pant)



Aufforderung zur Abgabe eines Angebotes: Insgesamt 40 sogenannte Trüffelbäume sollen wir anbieten (und womöglich liefern). 20 Stiel-Eichen (Quercus robur) als "zweijährige Pflanze, Containerware" sollen Wurzeln mitbringen, die von Mycorrhiza des Burgundertrüffels (auch bekannt als Sommertrüffel, Verkaufspreis ca. 50€/ kg) besiedelt sind, weitere 20 Haselnüsse (Corylus avellana) sollen die noch edleren Périgord-Trüffel (auch bekannt als der außerordentlich begehrte Schwarze Trüffel, Verkaufspreis: ca. 450€/ kg) an Bord haben.

 

Machen wir es kurz: Trüffelbäume 2 x v im Container können wir leider nicht anbieten. Aber Neugier und Interesse sind geweckt: Was hat es damit auf sich?

 

Trüffel sind selten, edel und teuer. Der gezielte Anbau von Trüffel war über Jahrhunderte nicht möglich, da die Zusammenhänge zwischen Gehölz und Pilz unbekannt waren und für ein Wunder der Natur gehalten wurde. 


Die Biologie dahinter: Pilz und Gehölz bilden an den Wurzeln des Trüffelwirtbaumes über sog. Mykorrhiza eine symbiontische Lebensgemeinschaft. Der Pilz profitiert von den Zuckerverbindungen des Photosynthese betreibenden Wirtes. Der Pilz erweitert durch sein Pilzgeflecht (Mycel) das Wurzelsystem des Baumes und verbessert dadurch Nährstoff- und Wasseraufnahme für den Wirt. Bei guter Entwicklung bildet das Mycel Fruchtkörper aus – das sind die Trüffel!

 

Die Grundlage des modernen Trüffelanbaus wurde in den 1970er Jahren in Frankreich entwickelt, als die künstliche Symbiose zwischen Baum und Pilz über ein Impfverfahren gelang. Diese Impfung von Bäumen erfolgt entweder über die Pilzsporen des Trüffels, die in großer Zahl im Trüffel selbst enthalten sind oder mit dessen Mycel, indem Teile entnommen und künstlich vermehrt werden.

 

Die Impfung selbst erfolgt entweder mit einem mit Mycel ‚angereicherten‘ Substrat, welches direkt im Wurzelbereich des Wirtsbaumes eingegraben wird – oder als Flüssigimpfung mit Sporen (z.B. aus gemahlenen Trüffeln = die erfolgsversprechendere Methode) aus z.B. einer Plastikflasche. 

 

Wem das zu aufwändig oder unsicher erscheint, der kann auch fertig geimpfte Trüffelbäume kaufen – ganz so, wie in der Ausschreibung gefordert. Dazu gibt es Baumschulen, die bereits beimpfte Trüffelbäume anbieten. 

 

Typische Trüffelbäume für Burgunder-Trüffel sind Corylus avellana, Quercus robur, Carpinus betulus und Fagus sylvatica. Die Sporen des noch begehrteren Périgordtrüffel werden auf Corylus avellana und Quercus robur geimpft. 


Im Online-Shop von Deutsche Trüffelbäume (deutsche-trueffelbaeume.de)  aus Bodman-Ludwigshafen (Bodensee) können 1- bis 2-jährige, ca. 40 cm Bäumchen (ca. 35 €) oder 3-jährige, ca. 100 cm große Trüffelbäumchen (ca. 100 €) gekauft werden. Die Versand- und Pflanzsaison beschränkt sich entsprechend des Trüffelzyklus auf Frühjahr und Herbst.

 


Für die erste Trüffelernte (nächst Frage wäre: haben wir eigentlich einen Trüffelhund?!) ist nach der Pflanzung Geduld gefordert: Die ‚Deutsche Trüffelbäume‘ stellt eine „Ernte nach frühestens sieben Jahren“ in Aussicht. 

 

Wenn Sie nun auch Lust auf einen Trüffelbaum bekommen haben – dann sollten Sie sich unbedingt tiefer in die Materie einlesen und sich mit dem Lebenszyklus und den sexuellen Vorlieben (jawohl!) vom Trüffel beschäftigen, denn ganz so einfach ist es (natürlich) nicht:

 

-      Trüffelbäume stehen nicht gerne alleine, das Wurzelgeflecht verschiedener Trüffelbäume sollten sich am besten treffen


-      je wertvoller der Trüffel, desto anspruchsvoller ist er bezüglich des Standortes: ein pH-Wert von 7 (Burgundertrüffel) bzw. 8 (Périgordtrüffel) ist erforderlich


-      der Boden sollte gut durchlüftet und gut wasserdurchlässig sein und nicht zu trocken, Trockenperioden mag der Trüffel gar nicht! (am besten gut besonnte Hang- oder Kuppenlage)

 

 

Für den professionellen (‚landwirtschaftlich‘) Anbau ist eine detaillierte Standortanalyse und -beurteilung unerlässlich.

 





Dies könnte eine Trüffel-Hainbuchen-Hecke sein ...



Eine Idee, das praktisch-funktionale mit dem begehrten Trüffel zu verbinden könnte die Pflanzung einer Trüffelhecke aus Hainbuche sein – die Hainbuchen-Trüffelbäumchen lassen sich schließlich problemlos zu einer Formschnitthecke erziehen …

 

 

Quellen: 

Edles aus dem Untergrund, aus: Deutsche Baumschule, Ausgabe 08/2022

trueffelhang.at

deutsche-trueffelbaumschule.de




Veröffentlicht in Pflanzenverwendung am 30.07.2022 17:44 Uhr.

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Inh.: Bettina Stoldt, Dipl.-Ing. agr. (FH)

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