Auf der Suche nach dem Tomoffel-Baum: Wenn Sie bei uns einen Baum aussuchen möchten

Das Gehölzsortiment ist groß und vor allem für Privatkundschaft unübersichtlich. Da fällt die Auswahl nicht leicht – vor allem dann nicht, wenn Kunden im Baumschulquartier stehen und dann ‚Ihren‘ Baum vor lauter Bäumen nicht sehen. Wir geben Tipps für eine Vorbereitung, damit der Besuch bei uns ein Erfolg wird.

16:00 Uhr, Feierabend in der Baumschule an einem Sonnabend in der Frühjahrsversandsaison vor vielen Jahren. Es klingelt an der Bürotür: Privatkundschaft steht vor der Tür, ein Ehepaar, geschätzt Mitte 40. Ein Landschaftsbauunternehmen hatte die beiden zu uns geschickt. 


Wir wissen von nix.


Haben Sie schon einmal von der Tomoffel gehört? Das könnte fast das pflanzliche Pendant zur eierlegenden Wollmilchsau sein. Als Tomoffel wird die "Tomatenkartoffel" bezeichnet, an der im Sommer oberirdisch Kirschtomaten und im Herbst unter der Erde Kartoffeln geerntet werden können. Glauben Sie nicht? Es handelt sich tatsächlich um veredelte Pflanzen dieser Nachschattengewächse. 


Bei Obstgehölzen werden schon lange sogenannte Familien- oder Mehrfruchtbäume kultiviert, bei denen verschiedene Augen von Edelsorten in den Stamm okuliert werden, so dass drei bis fünf unterschiedliche Sorten einer Obstart von einem einzigen Baum geerntet werden können. 


Was das mit der Suche nach einem Baum zu tun hat? Geduld bitte (in jeder Hinsicht).

 

Das Privatkundengeschäft ist nicht unser Hauptabsatzgeschäft. Eine Baumschule ist nicht unbedingt eine Gartenbaumschule (Baumschule Bradfisch ist keine Gartenbaumschule) und kein Gartencenter, in dem sich an Regalen vorbei und um Tische herum umherstreifen ließe. Auch bunte Etiketten mit Pflanzensteckbriefen und Preisschild an der Pflanze gibt es bei uns nicht.

 

Bei uns stehen dafür echte Bäume dort, wo diese kultiviert werden: Im Freiland (Bäume mit Ballen) und in den Stellagen unserer Containerbaumquartiere (Bäume im Pflanzsack). Anders als in vielen Garten-centern und Garten-Baumschulen mit überwiegend Miniatur-Bäumen, Halb- und Dreiviertelstämmchen im Gerade-noch-Kofferraumformat bedeutet Baum bei uns i.d.R. auch hoher Stamm (= Hochstamm), an dem in etwa 2,20 bis 2,40 m die Baumkrone beginnt. Die Bäume haben bei uns eine Größe, wie sie üblicherweise entlang von Straßen und in Parkanlagen gepflanzt werden. 

Wenn es um die Größe eines Baumes geht, sprechen wir von Qualitätund unterscheiden hier nach Dicke des Stamms, gemessen und eingeteilt nach Stammumfang.


Der Vorteil für Privatkundschaft wenn sie sich für den Besuch einer Baumschule wie bei uns entscheiden:

Das Baum-Sortiment ist – wiederum anders typischerweise im Gartencenter – ausgesprochen breit. Nicht die volle Katalogbreite (das bietet wohl keine Baumschule für sich alleine, dafür handeln Baumschulen untereinander), aber mit typischen Straßen- und Hofbaumarten in zahlreichen Wuchsgrößen in großer Arten- und Sortenbreite sowie Obstbäumen. 


Und apropros Kofferraumformat: Hochstämme passen nicht in Pkw-Kofferräume, nicht in Cabrios trotz geöffnetem Dach und auch nicht auf einachsige Pkw-Anhänger. Pferdeanhänger sind ein Notbehelf – aber überlassen Sie den Transport im Zweifel lieber uns oder lassen Sie Ihre Bäume von dem Garten- und Landschaftsbaubetrieb abholen, der Ihnen die Bäume auch fachgerecht einpflanzt und verankert. 

 

Und Kunden, die sich im Vorwege Gedanken gemacht haben, welche Pflanzen sie für ihren Garten benötigen, schicken wir selbstverständlich nicht weg, auch wenn sie ihren Besuch wie die Eheleute, die gerade am Büro geklingelt haben, nicht vorher mit uns absprechen (wovon wir abraten: rufen Sie uns vorher an unter Tel. 04101 79550, dann haben wir Zeit für Sie und können Sie in die weitläufigen Baumschul-quartiere begleiten).


Als Pflanzenverwender bitte ich immer darum, dass Eheleute gemeinsam beim Planungsgespräch dabei sind. Ich möchte in Sachen Uneinigkeit später auf keinen Fall zum gartenplanenden Paartherapeuten werden. Und ich hoffe natürlich immer darauf, dass sich Paare im Vorweg gemeinsam Gedanken gemacht haben, welche Richtung (zumindest ganz grob) eingeschlagen werden soll (und die Wahrscheinlichkeit, dass zumindest einem Ehepartner meine Ideen gefallen, ist auch höher...). 

 

Für die Vorbereitung eines Baumschulbesuchs könnte das bedeuten, dass Sie bei einem Spaziergang in der Nachbarschaft in Frage kommende Pflanzen als eine Vorauswahl fotografieren. Wenn Sie die Pflanzen nicht kennen und nicht benennen können macht das gar nichts. Das übernehmen wir als Fachleute für Sie. Oder Sie stöbern durch unsere Verwendungsvorschläge wie zu den (Kugel-) Kleinbäumen oder den 4-Jahreszeiten-Gehölzen.

 

Besagtes Ehepaar, das wir nun zu Feierabend ins Büro bitten, hatte sich weder abgesprochen noch vorbereitet - und das in so ziemlich jeder Hinsicht (nicht):


„Wir suchen einen Baum für unseren Garten!“

 Was soll es denn für ein Baum sein?

Sie: „Immergrün soll er sein.“

Er: „So kugelig, das haben wir woanders schon mal gesehen.“

Sie: „Mit so schmalen Blättern.“


Meinen die beiden vielleicht eine Kugel-Robinie oder einen Kugel-Ahorn? Das sind die meistverkauften Kleinbäume mit kugelförmiger Krone. Allerdings sind diese beiden Gehölze nicht immergrün.


Er: „Nein, meine Frau möchte doch lieber etwas Immergrünes. Ich habe eigentlich auch nichts gegen etwas Laubabwerfendes.“

Sie: „Aber nein, wir haben hinten im Garten schon so einen normalen Ahorn, der macht jedes Jahr im Herbst sieben Säcke Laub voll, das ist uns schon zu viel.“

Er: „Der Baum soll ja auch nicht so groß werden.“

Sie: „Na doch, der kann das Haus schon gerne ein bisschen verdecken.“


Der Seniorchef ist zwischenzeitlich kurz verschwunden und kommt mit einem dicken, reich bebilderten Gehölzbuch zurück: 

Vielleicht ein Schnurbaum? Den gibt es auch in kugelig, ist aber auch laubabwerfend.

 

Sie: „Nein, der soll schon immergrün sein. Thuja kugelförmig geschnitten, die gibt es doch auch auf Stamm.“

Er: „Nein nein, um Himmels Willen, das erinnert mich zu sehr an Friedhof. Es sollen vier Kugelbäume sein, für eine kleine Allee für unsere Auffahrt.“

Sie: „Wir möchten auch gerne noch eine Eibenhecke kaufen, gibt es die auch in schön dunkelgrün und ohne Beeren weil wir Kinder haben?“ 

 

Wir haben auch eine Eibenhecke und gleichzeitig zwei Kinder, die damals drei und sieben Jahre alt waren. Das Fruchtfleisch der Früchte ist der einzige ungiftige Teil der Pflanzen. Unsere Kinder jedenfalls futtern sich so oder so nicht durch den Garten, dafür sind sie viel zu krüsch. Die Mutter als Eibe-kein-Problem-Testimonial, das überzeugt: Die Eibenhecke ist damit beschlossen!

 

Sie haben Kinder oder Enkelkinder und wollen Ihren Garten neu bepflanzen oder haben als Aufgabe die Pflanzenauswahl für die Bepflanzung einer Kita oder Schule? Dann empfehlen wir Ihnen einen Blick in unseren Beitrag zur Pflanzenverwendung von kinderfreundlichen und -sicheren Pflanzen



Zurück zu den Kugelbäumen


Er: „Was kostet das denn überhaupt?“

Das richtet sich in der Baumschule nach Stammumfang.

Er: „Wie ist das überhaupt mit dem Stamm, wird der auch immer dicker? Ich habe schon Kugelbäume mit ganz dicken Stämmen gesehen, das mögen wir gar nicht leiden.“

Sie: „Wie ist das mit der Höhe? Die Kugel obendrauf, wächst die noch weiter mit nach oben, wenn der Baum wächst?“


Nein, die Krone wird auf den Stamm veredelt, die Stammhöhe bleibt immer gleich. Nur der Durchmesser der Krone selbst wächst.

 

Der Seniorchef blättert noch einmal in dem dicken Gehölzbuch.


Sie: „Also, Katalog oder Internet, das hilft mir da gar nicht weiter. Ich muss das in Natura sehen, ich muss das anfassen.“


Nun fällt der Blick durchs Fenster auf den zu der Zeit gut gefüllten Versandhof. Dort steht ein Posten bildschöner Ilex ‘Nellie Stevens‘-Hochstämme. Könnte man ja mal beispielhaft jetzt so in Natura sehen und anfassen


Das Ehepaar ist mit einer so spontanen Entscheidung jedoch nun offenkundig überfordert und so endet deren samstäglicher Ausflug in die Baumschulwelt in Sachen Baum für beide Seiten leider ergebnislos.


Sie wissen jetzt, dass sich ein wenig Vorbereitung bei der Auswahl des Wunschbaumes sinnvoll ist. Dann freuen uns, Sie in durch unsere Baumschule zu führen, um dann gemeinsam Ihren persönlichen Tomoffel-Baum zu finden!




Veröffentlicht in Pflanzen, Planung, Pflanzenverwendung am 25.04.2026 13:00 Uhr.

Gras oder grässlich?

Wieviel Struktur bleibt eigentlich nach einem 'echten' Winter mit Schneelast und Winternässe von Gräsern im Garten übrig? Wir haben uns in Norddeutschlands Gärten umgesehen.

Januar und Februar 2026 – das waren seit vielen Jahren einmal keine November 2.0 und 3.0 sondern Wintermonate im klassischen Sinne: Mit geschlossener Schneedecke und lange anhaltendem, teils sogar strengem Frost. Jetzt, wo Schnee und Eis im Tiefland teils mehrfach getaut sind bzw. auch zwischendurch wahlweise weggeregnet wurden, ist allerdings abseits der Blumengeschäfte noch immer kein Frühlingserwachen in Sicht.




Straff oder schlaff? Strukturbildende Gräser 

vertragen Schneelast und Winternässe nicht gleichermaßen gut und quittieren Schneelast unterschiedlich (Bild links: Strukturstark auch nach mehreren Schnee-Tau-Perioden: Chinaschilfe (Miscanthus) sowie im Hintergrund Schilfgras (Phragmites); Bild rechts: Gräsermikado bei einer flächigen Pflanzung von Calamagrostis x acutiflora 'Karl Foerster')



Und was da als Garten jetzt wieder zum Vorschein kommt, das ist in den meisten Fällen nicht besonders ansehnlich. 


Richtig, das winterliche Gartenbild hat eine einzigartige Bildwirkung:

In den allermeisten Fällen ist diese Wirkung aber ganz anders als in auch ohne Schneelandschaft schönen winterlichen Farbpaletten wie sie zum Beispiel in dem tollen Winter-Schokoladenseiten-Bildband ‚Gärten im Winter‘ von Céderic Pollet (Ulmer Verlag) oder auch in unserem Beitrag auf der Webseite zur Pflanzenverwendung ‚Winter im Garten? Nicht nur düster und kahl!‘ beschrieben und angepriesen wird.






Klassiker und Preziosen im winterlichen Garten (von oben rechts im Uhrzeigersinn): Cornus alba 'Sibirica' (Rotrindiger Hartriegel), Hamamelis x intermedia 'Diane' (Zaubernuss), Betula jacqueontii (Himalaja-Birke), Cotoneaster-dammeri-Sorte (Zwerg-Kriechmispel) und das langhaftende, kupferfarben verfärbte Laub der Rot-Buchen (Fagus sylvatica) - fehlt nur noch ein Schuss Immergrün in Form von Taxus (Eibe) oder meinetwegen auch Rhododendron ... und wo bleiben die Gräser?



Nicht in jedem Garten leuchtet eine weißrindige Betula utilis ‚Doorenbos‘ oder Betula jacquemontii (s.o., wenn nicht, bitte gleich auf To-Do-Liste ergänzen: Im Frühjahr Betula utilis ‚Doorenbos‘ oder Betula jacquemontii pflanzen!). Trost und Struktur spenden meist Immergrüne und das hoffentlich langhaftende kupferfarbenen Herbstlaub der Rot-Buchenhecken (Fagus sylvatica).


Auch die vielgepriesenen Fruchtstände und Stängel der (vorbildlich!) nicht im Herbst zurückgeschnittenen Stauden sind nach dem Schneeüberzug vielfach zu einem verrottendem Mulchhaufen zusammengesunken.




Präriepflanzung nach dem Abtauen: 

Nur die Stängel einiger Asteraceae 

(hier: Rudbeckien und Sonnenhut) 

stehen noch aufrecht 



Doch wie sieht es mit Gräsern aus? Können nicht diese unsere Pflanzungen im Sommer und Herbst um Schwingung, Transparenz und Struktur bereichernde Gestalten auch jetzt im späten Winter optisch und strukturell etwas ‚reißen‘?




Das Japanische Blutgras (Imperata cylindrica ‘Red Baron‘) besticht noch im späten Herbst mit bereiften Blättern und hat die in Norddeutschland letzten milden Wintern überlebt. Ob da aus dem Mulchhaufen (Bild rechts) in diesem Frühjahr irgendetwas austreiben wird? 



Ein Blick in den eigenen Garten und in die Gärten in der Nachbarschaft zeigt: Kommt darauf an! Während ‚nur‘ Raureif für zauberhafte Gartenbilder mit allen Gräsern sorgt, sind bei weitem nicht alle Gräser bei Schneelast oder ausgeprägter Winternässe ausreichend standfest.

 

Bei Überlegungen zur Gräserverwendung kann jedoch nicht nur die Frage „sieht im Winter gut aus/ nicht gut aus“ eine Rolle spielen. Für die Auswahl eines bestimmten Grases können mit Blick auf die Standfestigkeit auch funktionale Gründe bedenkenswert sein.




Bambushalme sind unerhört biegsam. Bei Schneelast lagern die Halme insbesondere der hohen Sorten, einzelne Halme können jedoch auch brechen. Hier werden Bambus im Botanischen Garten Hamburg nach Schneelast ausgeputzt und abgeknickte Halme abgeschnitten. Bild oben rechts: Die niedrigeren Fargesia-Sorten können mit Blick auf Standfestigkeit bei Schneelast und das leidige Thema der Wurzelsperre gegenüber Phyllostachys-Sorten die bessere Wahl sein




So lagern beispielsweise  höhere Bambus-Arten und -Sorten (z.B. Phyllostachys-Sorten) bei Schneelast gnadenlos. Nach Entlastung stehen die sehr elastischen Halme zwar überwiegend wieder straff aufrecht – aber eben nur überwiegend.


Nach eigener Beobachtung knicken einzelne Halme tatsächlich ab oder bleiben auf Halbmast. Diese Halme sollten dann sinnvollerweise abgeschnitten werden. Das Lagerungsproblem bei Schneelast ist vor allem bei größeren Bambushorsten oder Bambushecken nicht zu unterschätzen: Die Inanspruchnahme einer erstaunlich großen Fläche durch die langen niedergedrückten Halme kann Wege versperren oder dazu führen, dass sich Halme (was erlauben Bambus!) auf Nachbargrundstücke niederlegen. 


Da hilft dann nur das regelmäßige Abschütteln der Schneelast – bzw. bereits bei der Pflanzenauswahl die Wahl standfesterer, niedrigeren Arten wie Fargesia – die als horstbildende Arten sogar eine Rhizomsperre enbehrlich machen.





Höhere Gräser in Reihe gepflanzt können als halbtransparente Hecken Gartenbereiche gliedern oder Terrassenflächen locker abschirmen und abgrenzen. Chinaschilfe sind bei schneereichen Wintern nach den Erfahrungen aus dem Winter 2025/ 2026 die sicherere Wahl gegenüber dem Garten-Reitgras, das zumindest in Teilen nach Schneelast auf dem Boden liegen bleibt



Ein weiteres Beispiel für Fragestellungen nach der Funktionalität einer Gräserpflanzung bei der Pflanzenauswahl ist das viel verwendete Garten-Reitgras (Calamagrostis x acutiflora ‘Karl Foerster‘) und weitere Calamagrostis-Sorten.


Das Gras zeichnet sich durch seine bis in den Herbst/ Winter straff aufrecht stehende und bei ausreichend sonnigem Standort für gewöhnlich standfeste Halme aus. Kunststück, dass dieses strukturstarke Gras so gerne verwendet wird, das als Kaltsaisongras auch noch mit frühem Austrieb punktet. Als halbtransparente Gräserhecke geplant und gepflanzt, kann die erhoffte Trenn- und Gliederungsfunktion nach Schneelast nach Beobachtungen in diesem Jahr jedoch durch überwiegend umgeknickte Halme verloren gehen.


Im Bildbeispiel oben wurden Calamagrostis großflächig als Gräserhecke auf einen Erdwall gepflanzt, um den Einblick in die dahinterliegenden Gärten und Wohnzimmer zu verringern: Diese Funktion kann nun nach Schneefall für den Rest des Winters nicht mehr erfüllt werden. 


Kommt es auf die Abschirmfunktion hauptsächlich während der Garten- bzw. Terrassensaison an, dürfte dies jedoch verschmerzbar sein. Wenn nicht, kann der Griff zu einer nicht zum Abknicken neigenden Chinaschilf-Sorte die bessere Wahl sein – mit dem Nachteil des späteren Neuaustriebs im Frühjahr.





Bild links: Winterschutz der Horste von Cortaderia selloana mit Reisig im Botanischen Garten Hamburg, Bild rechts: Zusammengebundenes Chinaschilf oder doch ein Langhaarmonster im Regen?



Ein Behelf gegen auseinanderfallende Pflanzen ist das Auf- bzw. Zusammenbinden der Halme. Ob derartige Gestalten das winterliche Gartenbild wirklich bereichern oder eher der Eindruck von in-den-Regen gekommenen Langhaarmonstern entsteht: Das überlassen wir der Geschmacksache.



Standfest und mit guter Winterstruktur 

- oder nicht?


Vereinfacht aus Beobachtungen und Fotos in der Nachbarschaft aus dem Zeitraum zwischen Ende Januar bis Mitte Februar 2026 und ohne Anspruch auf Vollständigkeit (oder anderslautende Erfahrungen!) sollen Gräser mit Blick auf die Winterstandfestigkeit (Schnee/ Nässe) in drei Gruppen eingeteilt werden:



Gruppe 1: 

Nicht standfeste Gräser nach Winternässe und Schneelast


Gräser aus dieser Gruppe eignen sich nach Schneelast oder Winternässe nicht als winterliche Strukturbildner:





Gruppe 1 mit nicht standfesten Gräsern (von links oben im Uhrzeigersinn): Calamagrostis varia, Hakonechloa macra 'Aureola', Imperata cylindrica 'Red Baron', Molinia arundinacea, Molinia caerulea



-      Calamagrostis varia (Berg-Reit-Gras): Nach Schneefall platt daniederliegend


-      Hakonechloa macra ‘Aureola‘ (Japan-Goldbandgras): Liegt es am Standort? Im Gegensatz zur Art (Gruppe 3) war vom Fotomodell (s.o) nach dem Abtauen der Schneedecke statt Goldband nur noch feuchter Mulch übrig


-      Imperata cylindrica ‘Red Baron‘ (Japanisches Blutgras): Nach Winternässe und Schneelast bleibt nur noch matschiger Mulch


-      Molinia caerulea und Molinia arundinacea und Sorten (Pfeifengräser): Strukturstark und standfest bis in den Herbst, nach Schneelast und bei Nässe leider komplett flachliegend



Gruppe 2: 

Mäßig standfeste Gräser mit eher wenig attraktiver Struktur nach Winternässe und Schneelast


Arten aus dieser Gruppe sind wenig standfest und zeigen nach Schneelast/ Nässe zwar wenig (höhere/ straffe) Struktur, machen aber auch nicht den Eindruck eines nassen ‚Mulchhaufens‘:




Zu Gräsern der Gruppe zwei mit mäßiger Standfestigkeit zählen wir (von oben links im Uhrzeigersinn): Ammophila arenaria, Calamagrostis x acutiflora-Sorten, Cortaderia selloana, Deschampsia cespitosa-Sorten, Leymus arenarius und Panicum virgatum in Sorten



-      Ammophila arenaria (Strandhafer), Strandhaferflächen im sind im Winter niederliegend teils in ungeordneten Grasschopf-Haufen, die bei flächiger Verwendung aber die Fläche gut bedecken


-      Calamagrostis x acutiflora ‘Karl Foerster‘  und weitere Sorten (Reitgräser): Ohne große Schneelast überdauern die straffen Stängel der Reitgräser die Vegetationsruhe bis zum zeitigen Rückschnitt im Frühjahr – mit Schneelast jedoch nicht sicher bzw. teils-teils


-      Calamagrostis brachytricha (Diamantgras): Mehr oder weniger zusammengesunkene Grasschöpfe


-      Cortaderia selloana (Pampasgras): Die großen Grasschöpfe vom hohen Pampasgras sind im Winter strukturstark, benötigen aber ggfs. einen Winterschutz – die charakteristischen wie imposanten Blütenwedel knicken bei stärkerem Schneefall häufig leider ab; dieses Solitärgras gilt bis etwa -10°C als winterhart


-      Deschampsia cespitosa und Sorten (Wald-Schmiele): Die horstartigen, wintergrünen Grasschöpfe wirken im Winter ohne die füllig-fedrig-wolkige Anmutung der sommerlichen Blütenstände in der Pflanzfläche ein wenig verloren und sind kaum strukturbildend


-      Leymus arenarius (Strand-Roggen, Blau-Strandhafer): Das Gras ist eigentlich wintergrün - oder besser gesagt winterblau. Die typische Blaufärbung ist zumindest in diesem schneereichen und frostigen Winter 2025/26 in Norddeutschland weg. Die Fläche bleibt bedeckt, die verbliebenen, unordentlich wirkenden verblassten Laubhaufen fügen dem Gartenbild jedoch nicht wirklich eine wünschenswerte Struktur hinzu – und sollten, obwohl dieses Gras eigentlich nicht zurückgeschnitten werden muss, im Frühjahr entfernt werden, um den frischen Austrieb freizustellen


-      Panicum virgatum in Sorten (Rutenhirse): Hier sind Unterschiede je nach Standort und Sorte zu beobachten: Feinhalmige Sorten mit straffen Stängeln wie ‘Strictum‘ stehen noch aufrecht und gehören in die Gruppe 3 mit guter Winterstruktur, während andere Sorten wie ‘Külsenmoor‘ (oben im Bild untere Reihe links) als Gräserschopf geknickt niederliegend

 


Gruppe 3

Standfeste und mehr oder weniger strukturhaltende Gräser auch nach Winternässe und Schneelast


Die in diese Gruppe einsortierten Arten scheinen nach dem Verschwinden der Schneedecke und/ oder längeren winterlichen Nässeperioden ausreichend standfest zu sein und zeigen eine mindestens akzeptable bis gute winterliche Struktur in Pflanzungen:





Die Gruppe der ausreichend standfesten Gräser als mindestens akzeptable winterliche Strukturbildner in der Pflanzung ist gar nicht so klein (von oben links im Uhrzeigersinn): Panicum in Sorten, Miscanthus sinensis in Sorten, Cortaderia selloana (niedrige Sorten), Hakonachloa macra, Carex pendula, Carex morrowii C. foliosissima in Sorten, Luzula sylvatica, Sesleria autumnalis, Stipa gigantea, Stipa tenuissima (letzte beide Bilder)



-      Carex foliosissima u. Sorten (Teppich-Japan-Segge): Immergrün, wertvoller Bodendecker im winterlichen Garten


-      Carex morrowii u. Sorten (Japan-Segge): Immergrün, wertvoller Bodendecker im winterlichen Garten


-      Carex pendula (Riesen-Segge): Immergrüne Schöpfe


-      Cortaderia selloana in niedrigen Sorten wie 'Pumila‘ (Pampasgras): Es finden sich Exemplare mit ausgesprochen starkem Winterbild trotz Schnee und Nässe,  jedoch kann für dieses Gras ggfs. Winterschutz erforderlich sein


-      Hakonechloa macra (Japan-Waldgras): Echte Stehauf-Gräser durch ihre drahtartigen Stengel, auf denen die Blätter für eine lange Zeit gold-strohgelbe Blattfärbung zeigen, bevor sie zum Ende des Winters verblassen


-      Miscanthus in Sorten (Chinaschilf): neben niedrigen Pampasgras-Sorten Benchmark für hohe strukturbildende Gräser im Winter, ähnlich gute Winter-Anmutung wie Phragmites-Flächen


-      Luzula sylvatica (Wald-Marbel): Das immergrüne Gras ist als verlässlicher Bodendecker in den Lebensbereichen Gehölz/ Gehölzrand wertvoll im winterlichen Garten


-      Pennisetum in Sorten (Lampenputzergras): Mehr oder weniger ansehnliche Gräserschöpfe, die aber zumindest nicht platt ausgegrätscht auf dem Boden liegen


-      Sesleria autumnalis (Herbst-Kopfgras): Die Blütenstände sind lange weg, aber die wintergrünen Gräserhorste stehen auch nach Schneelast ausgesprochen stabil und noch ansehnlich


-      Stipa gigantea (Riesen-Federgras): Die typischen hoch über der Basis schwebenden Blütenrispen sind natürlich längst zusammengeknickt, der wintergrüne graugrüne Gräserhorst steht aber durchaus strukturstark in der Pflanzfläche


-      Stipa tenuissima, Stipa ‘Pony Tails‘ (Federgras): Federgräser zählen zu den Gräsern, die normalerweise nicht zurückgeschnitten werden. Flächig gepflanzt wirken die Flächen durch einzelne platt gedrückte Pflanzen nach Schneelast zwar etwas durcheinander – insgesamt bietet dieses Gras aber durchaus eine noch akzeptable winterliche Struktur



Aus gärtnerischer Sicht sind natürlich auch die nicht so standfesten Gräser weder Drama noch Problem: Denn je nach Witterung und Lust auf Gartenarbeit werden die allermeisten Gräser ab etwa Mitte Februar bis Anfang März ohnehin zurückgeschnitten - auch, um für die Zwiebelblühern die Bühne zu räumen. 





Funktioniert gut: Narzissen (hier: Top-Sorte 'Ice Follies', Blüte ab etwa Ende März) beleben die Pflanzplätze der bereits zurückgeschnittenen hohen Miscanthus, die mit ihrem Neuaustrieb wiederum die abgeblühten Narzissen kaschieren


Wenn Sie sich jetzt fragen: Welche Zwiebelblüher? - dann kramen Sie noch einmal die Garten-To-Pflanz-Liste hervor, auf der schon die Himalaja-Birke steht. Ihre Baumschule Bradfisch liefert nicht nur die schöne Birke sondern erfüllt Ihnen im nächsten Herbst auch sehr gerne alle Blumenzwiebelwünsche ;-)














Veröffentlicht in Pflanzen, Pflanzenverwendung am 16.02.2026 19:00 Uhr.

Heuschnupfen-Bäume

Umgang mit allergenen Bäumen im öffentlichen Raum

Wer an das Klima in unseren Städten denkt, landet recht schnell bei den Wohlfahrtswirkungen des Stadtgrüns – und hier insbesondere der Stadtbäume.

 

Was sollen die Bäume nicht alles für uns tun:

  • Schatten spenden
  • Stadtklima kühlen
  • Kohlendioxid binden
  • Sauerstoff produzieren
  • Feinstaub binden
  • gestalterisch wirken
  • Insektenfreundlich sein
  • Vogelfreundlich sein
  • einen hohen Biodiversitätswert aufweisen
  • Vorgaben aus dem Naturschutz erfüllen (z.B. sei heimisch!)
  • Sich als Straßenbaum eignen (Lichtraumprofil, Art des Wurzelwerks)
  • Keinen ‚Dreck‘ machen
  • Vital bleiben trotz oftmals miserabler Standortbedingungen

 

Für das Übereinstimmungsspiel zur Eingrenzung in Frage kommender Arten für die jeweilige Pflanzaufgabe werden die Faktoren Eigenschaften x Standort gekreuzt.

 

Ein für zahlreiche Stadtmenschen für das eigene Wohlbefinden im täglichen Leben wichtiger Punkt kommt in dieser Matrix meist zu kurz:


  • kein allergenes Potenzial mitbringen





Die verstärkte Pflanzung von 

Taschentuchbäumen (Davidia involucrata) 

wird nur wenig Aufwiedersehenswirkung und Linderung für die Pollenbelastung während der Heuschnupfensaison bringen...



Die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) hat sich in einer Veröffentlichung von 2015 gemeinsam mit dem Umweltbundesamt mit der Frage beschäftigt, wie Städte und Kommunen allergene Pflanzen im öffentlichen Raum reduzieren können, um diese weitere Eigenschaft für Stadtbäume zu fördern, nämlich die allergene Belastung durch Pflanzung bestimmter Bäume nicht noch zu verstärken.

 

Die Studie weist darauf hin, dass allergische Reaktionen durch die spezielle Situation im städtischen Raum mit einer teils hohen Konzentration an Ozon, Luftschadstoffen und Feinstaub verstärkt und heftiger auftreten.


Je nach untersuchtem Allergiepotenzial stufen die Autoren für das Beispiel Stadtraum Berlin Baumarten in zwei Kategorien ein:

 

Kategorie 1 listet Bäume auf, die nach Studienlage vordringlich nicht angepflanzt werden sollten.


In Kategorie 2 werden solche Bäume gestuft, die ‚nach Möglichkeit‘ nicht neu angepflanzt werden sollten.




Birken: Pollenschleuder der Kategorie 1: 

Im öffentlichen Raum vordringlich nicht mehr anpflanzen?



Neben den die Kategorie 1 bildenden bekannten Pollenschleudern Betula (Birke) und Corylus colurna (Baumhasel) tauchen in Kategorie 2 auch typische Straßenbaumarten wie Carpinus betulus (Hainbuche), Platanus x acerifolia (Platane) und die Gruppe der Eichen (Q. petraea, Q. robur, Q. rubra)  auf – allesamt windbestäubte Baumarten.

 

Schließlich listet eine Positivliste für das Beispiel Berlin aus allergologischer Sicht geeignete Baumgattungen und -arten zur Verwendung im Straßenraum auf. Alle Tabellen und Listen können hier in der Ursprungsveröffentlichung von 2015 nachgelesen werden.



Zieht man von dieser Liste diejenigen Baumarten ab, die sich aus anderen Gründen in der Pflanzenverwendung nicht als Straßen-Stadtbäume eignen (hier: Einstufung als ‚nicht geeignet‘ für Straßenbaumpflanzungen lt. GALK-Liste), so bleiben folgende der gelisteten Baumgattungen/ -arten der übrig:

 

  • Acer, Acer campestre, Acer platanoides , Acer rubrum
  • Magnolia kobus
  • Malus
  • Populus, Populus x canadensis, Populus nigra ‘Italica‘, Populus simonii
  • Prunus padus ‘Schloß Tiefurt‘
  • Pyrus calleryana ‘Chanticleer’
  • Sorbus, Sorbus aria, Sorbus intermedia
  • Tilia, Tilia Americana, Tilia cordata i.S., Tilia europaea i.S., Tilia tomentosa, Tilia x euchlora

 

Mit Blick auf das allergologische Auswahlkriterium für die Baumartenauswahl lässt sich somit festhalten, dass – zunächst unabhängig anderer Auswahlkriterien – die Gattungen Acer, Aesculus, Crataegus, Gleditsia, Magnolia, Malus, Populus, Prunus, Pyrus, Robinia, Sorbus, Tilia und Ulmus geeignet sind.

 

Bei Verknüpfung der Eigenschaft ‚allergologische Eignung‘ mit dem ebenfalls vieldiskutierten Attribut ‚insektenfreundlich‘ bleiben die typischerweise insektenbestäubten Baumarten übrig, oft erkennbar an ihren auffälligen Blüten.

 

Die urzeitgeschichtlich gegenüber vielen Insekten älteren Magnolien sowie die windbestäubten Populus fallen aus der vorgenannten Gruppe heraus (keine Nektarien), wobei Pappeln einerseits ein guter früher Pollenlieferant sind und heimische Pappelarten wichtiger Lebensraum für Käfer- und Schmetterlingsarten sind. 


Pappelpollen gelten trotz lokal großer Pollenmengen als eher schwach allergen. Die ‚Pappelwatte‘, die im Frühjahr teils in Massen fliegt, trägt den Samen der Pappel und löst keine allergischen Symptome aus.




Blatt und Fruchtstände von Alnus x spaethii: 

Notorischer Früh-Pollenverteiler




Ist die Prioisierung der allergologischen Eignung von Straßenbaumarten wirklich sinnvoll? Oder spielt diese Eigenschaft womöglich nur bei speziellen Pflanzsituationen eine entscheidende Rolle?

 

Gerade mit Blick auf die Diskussion um Zukunftsbäume für die Stadt, die womöglich damit verbundene Einengung der Artenauswahlmöglichkeiten sowie mit Blick auf die Biodiversität und vielfältigen Standortvoraussetzungen lässt sich eine solche Verengung auf nur wenige Arten im Grunde genommen nicht rechtfertigen. Die durch Pollenflug zunehmend heftigeren allergischen Reaktionen sind auch Folge der sich insgesamt verschlechternden Luftqualität – zu deren Verbesserung Bäume in der Stadt ja gerade beitragen sollen.

 

Hinzu kommt der überwältigende Baumbestand an Straßenbäumen und - vor allem- die noch viel größere Zahl an Gehölzen auf Privatgrund. Die Pollenlast, die aus diesen Grünstrukturen stammt, wird strukturell durch Windverwehung immer für eine hohe Grundlast sorgen – fast egal, welche Straßenbaumart nachgepflanzt wird.

 

Die Deutsche Straßenamtsleiterkonferenz (GALK), ein Zusammenschluss der kommunalen Grünflächenverwaltungen, hat sich 2012 in einem Positionspapier zu diesem Spannungsfeld geäußert:



"Darüber hinaus ist auch zu berücksichtigen, dass Allergien weit verbreitet sind und von einer Vielzahl unterschiedlicher Pflanzen ausgehen. Würde somit jedem Allergiker gegenüber seinem Nachbarn ein Anspruch auf Beseitigung der Allergie auslösenden Bepflanzung in seiner näheren Umgebung zugestanden, so würde hiermit den Interessen der Allgemeinheit zuwidergelaufen. (…) Ein Allergiker kann nicht erwarten, dass grundsätzlich seine überdurchschnittliche Empfindlichkeit zum Maßstab für die zulässige Nutzung einer Gegend allgemein gemacht wird. (…)


Abschließend ist zu betonen, dass die Bäume selbst nicht das Problem bilden, sondern diese nur auf Umwelteinflüsse reagieren, indem sie mehr Pollen mit aggressiveren Proteinen bilden. Ein Ansatzpunkt wäre daher, die Standortbedingungen für die Bäume zu verbessern. Ferner bildet die steigende Empfindlichkeit der Menschen gegenüber Allergien ein Problem, für das Gegenstrategien zu entwickeln sind."

aus: Positionspapier Pollenallergien, GALK - Arbeitskreis Stadtbäume, November 2012



Die Wegwägung der Verwendung bestimmter Baumarten aufgrund ihrer bekannten allergologischen Wirkung könnte womöglich mit Blick auf besonders früh bzw. spät blühende Arten sinnvoll sein, um die Heuschnupfensaison nicht unnötig zu verlängern.

 

Hier lassen sich vor allem zwei Baumarten identifizieren, die auch Teil des Zukunftsbaumsortiments sind: Alnus x spaethii (Purpur-Erle) sowie Corylus colurna (Baum-Hasel). Beide Baumarten lassen die Pollenflugsaison je nach Witterung bereits Ende November beginnen.

 

Generell trägt jede Baumpflanzung in der Stadt durch ihre Wohlfahrtswirkungen dazu bei, Kleinklima und Luftqualität für alle Menschen in der Stadt zu verbessern – und damit auch für Heuschnupfengeplagte.





Veröffentlicht in Pflanzen, Planung, Pflanzenverwendung am 13.09.2024 11:00 Uhr.

Pflanzenverbote: Immer wieder Kirschlorbeer

Der Schweizer Bundesrat hat beschlossen: Ab 01. September 2024 sind Verkauf, Weitergabe und Einfuhr von Kirschlorbeer verboten. Was hat es damit auf sich und was sagen wir als Pflanzenproduzent auch von Kirschlorbeer dazu?

Kirschlorbeerpflanzen bei uns im Folienhaus: 

Die Schweiz ist raus



Wenn ab 01. September 2024 Verkauf, Weitergabe und Einfuhr bestimmter als invasiv gebietsfremd geltenden Pflanzenarten verboten wird, dann betrifft das neben Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) auch weitere, teils prominente Gehölze der Pflanzenverwendung, die jedoch bei den zahlreichen Zeitungsredakteuren, die in den vergangenen Wochen über das Verbot berichtet haben, wohl nicht ganz so bekannt sind wie der Kirschlorbeer.


Gesetzliche Grundlage dazu ist die sogenannte Freisetzungsverordnung.


Im Anhang zu dieser Verordnung sind in zwei Listen auch weit verbreitete Gartenpflanzen gelistet:


Anhang 2.1

Invasive gebietsfremde Organismen mit Umgangsverbot (grundsätzlicher Ausschluss der Verwendung – Verbot der Vermehrung/ Inverkehrbringung, Auswahl:


  • Ailanthus altissima (Götterbaum)
  • Celastrus orbiculatus (Baumwürger)
  • Rhus typhina (Essig-Baum)



Anhang 2.2

Verbotsliste invasiver gebietsfremder Organismen (Verbot für das Inverkehrbringen), Auswahl:

 

  • Buddleja davidii (Schmetterlingsstrauch)
  • Cotoneaster horiziontalis (Korallenstrauch)
  • Lonicera henryi (Immergrünes Geißblatt)
  • Parthenocissus quinquefolia (Gewöhnliche Jungfernrebe)
  • Paulownia tomentosa (Blauglockenbaum)
  • Phyllostachys aurea (Gold-Bambus)
  • Prunus laurocerasus (Kirschlorbeer)
  • Prunus serotina (Späte Traubenkirsche)
  • Pseudosasa japonica (Japanischer Bambus)




Buddleja davidii - in der Schweiz künftig verboten



Wesentlich mit Blick auf Produktionszahlen und Verbreitung erscheinen die Listungen von Kirschlorbeer und Schmetterlingsstrauch – also von zwei nicht nur sehr verbreiteten, sondern auch bekannten Arten und im Fall des Schmetterlingsstrauches zunächst offenkundig paradoxem Verbot. 


Gerade dieses Gehölz wird von vielen Gartenfans als ‚gut für die Insekten‘ eingeschätzt, gepflanzt und bewundert. Und zwar in erster Linie auch von Menschen, die sonst vielleicht gar nicht so sehr auf Pflanzen achten. 


Die Ächtung des Schmetterlingsstrauches könnte dem Thema insektenfreundlicher Garten insofern einen Bärendienst erweisen, wenn Buddleja davidii bisher quasi als Archetyp und Einsteigermodell eines insektenfreundlichen Gartens verstanden wurde.



Das Schweizer Verbot hat das Ziel, die Verbreitung zusätzlicher als invasiv geltende gebietsfremde Arten in die Umwelt zu verhindern. Die Frage des Umgangs mit invasiven Arten lässt sich diskutieren, Stichwort Kolumbus-Effekt:


Mit der Entdeckung Amerikas begann eine weltweite Verflechtung, die sich zur Globalisierung weiterentwickelt hat. Mit der Wareneinfuhr wurden seit 1492 auch fremde Flora und Fauna in Gebiete eingeführt, in denen sie bis dahin nicht vorkamen.


Das von Thünen-Institut hat 2015 unter dem Titel Potenziale und Risiken eingeführter Baumarten (Vor, Spellmann, Bolte und Ammer, Hrsg., Universitätsverlag Göttingen) Baumartenportraits mit einer naturschutzfachlichen Bewertung veröffentlicht.


Zu diesen eingeführten Baumarten zählt auch der auf der Schweizer Umgangsverbotsliste 2.1 gelistete Essigbaum (Rhus typhina) charakterisieren die Wissenschaftler als „kurzlebiges Pioniergehölz“. 



Ökologisch betrachtet besiedele der Essigbaum hierzulande in der Regel ruderale Standorte oder stark gestörte Landschaftsräume. In den durch Ausläufer gebildeten Horsten könnten sich aufgrund der großen Wurzelkonkurrenz kaum andere Pflanzen etablieren. Andererseits könnten sich die Horste nicht unbegrenzt ausdehnen und es könnten keine Reinbestände auf großen Flächen gebildet werden. 




Als Pflanzenverwender oute ich mich: Ich mag Essigbäume - in der Pflanzenproduktion der Baumschule Bradfisch spielt Rhus typhina keine Rolle



Die Gefährdung der Biodiversität und die Invasivität wird differenziert eingeschätzt: Einerseits lägen die durch den Essigbaum gefährdeten Landschaftselemente in Mitteleuropa fast ausschließlich außerhalb geschlossener Waldbestände und an Waldrändern (hoher Lichtbedarf!). Auf ebendiesen Flächen, die typischerweise der natürlichen Sukzession unterlägen, seien Maßnahmen zum Schutz seltener Arten und zur Offenhaltung der Landschaftsstruktur notwendig. Rhus gelte etwa in Serbien als invasiv und dominiere dort lokal Ruderalbestände. In geschützten Wäldern komme die Art jedoch nicht vor.



Und Kirschlorbeer?


Diese Art wird in der vorgenannten Publikation nicht behandelt. Deren Verbreitung erfolgt in der Regel über die Bewurzelung von unfachmännisch oder illegal entsorgtem Schnittgut oder durch die Ausscheidung von Samen von Vögeln gefressener Beeren. Unsere eigenen Beobachtungen zur Invasivität von Kirschlorbeer beschränken sich im norddeutschen Raum auf den Wiederaustrieb von Schnittgut.




Junge Kirschlorbeerpflanzen in 

Benachbarung zur 'Mutterpflanze' - 

die Ausbreitung erfolgte hier offensichtlich 

durch die Bewurzelung von nicht 

vollständig entferntem Schnittgut 

- kein Wunder, dass Kirschlorbeer 

zu den günstigsten Heckengehölzen zählt: 

Die Stecklinge bewurzelt i.d.R. problemlos



In der Europäischen Union taucht Kirschlorbeer in der als sog. ‚Unionsliste‘ geführten Liste invasiver gebietsfremder Arten (Stand 2022) im Unterschied zum berüchtigten Götterbaum (Ailanthus altissima) bislang nicht auf.


Verkauf und Pflanzung von Kirschlorbeer sind und bleiben innerhalb der Europäischen Union uneingeschränkt erlaubt. In der Schweiz, die bekanntermaßen kein Mitglied der EU ist, scheint ein Problem mit Kirschlorbeer und weiteren typischen Gartengehölzen zu bestehen, das ab September 2024 zu vorbeschriebenen Verboten führt.


Die Studienlage zur Invasivität von Kirschlorbeer in hiesigen Wäldern ist dünn. Allerdings gibt es eine Studie des Naturkundemuseums Stuttgart mit dem Titel Etablierung von Kirschlorbeer in mitteleuropäischen Wäldern, in deren Ergebnis Kirschlorbeer auch hierzulande ein hohes invasives Potenzial zugeschrieben wird und so eine dauerhafte Veränderung der Artenzusammensetzung und Waldstruktur wahrscheinlich erscheinen lasse.


Eine Kurzzusammenfassung der Studie lässt sich über diesen Link auf den Seiten des idw - Informationsdienst Wirtschaft - nachlesen.


Als Hauptgrund für die zunehmende Etablierung von Kirschlorbeer in Wäldern werden die durchschnittlich gestiegenen Wintertemperaturen des eigentlich frostempfindlichen Kirschlorbeers vermutet. Kirschlorbeer sei Konkurrent für alle weiteren Unterholz bildenden Arten. Durch Veränderung der Bodenchemie könne die Pflanze auch für Bodenorganismen ungünstige Auswirkungen haben.



Als Pflanzenproduzent und somit mitverantwortlicher Spieler im Kirschlorbeerkosmos sollten wir nicht in einen Whataboutismus-Modus schalten, sondern lieber aufklären und Empfehlungen für geeignete oder sogar bessere Alternativen aussprechen.


Aufklärung scheint auch der erste Ansatz des Bundesumweltministeriums zu sein, das bereits im Jahr 2021 zum Management invasiver gebietsfremder Arten einen rd. 70 Seiten starken Aktionsplan erstellt hat. Darin werden mit Blick auf unterschiedliche sog. ‚Pfade‘ der Verbreitung invasiver und gebietsfremder Tier- und Pflanzenarten jeweils Maßnahmenvorschläge für unterschiedliche beteiligte Akteure aufgezählt.


Für den Bereich der Baumschulen und Gärtnereien bedeutet dies u.a. die Berücksichtigung der Thematik auch in Berufsausbildung und Weiterbildung, die Information über rechtliche Bestimmungen und Aufklärung über Möglichkeiten zur Prävention.


Mehr Informationen zum durch das Schweizer Verbot hochgekochte Kirschlorbeer-Thema finden Sie auf unserer Webseite um Thema Pflanzenverwendung hier:

 

Böse Hecken: Thuja und Kirschlorbeer roden und verbieten?




Verbote, Vorschriften und die Sache mit der Reaktanz


Als Reaktanz wird eine sozialpsychologische Abwehrreaktion bezeichnet: Wird etwas verboten, dann wird mir mein Freiheitsspielraum eingeschränkt. Gerade die Wahlmöglichkeit, die eingeschränkt wird, erhält eine Aufwertung. Bekannte Beispiele aus der Politik sind die Idee des Veggie-Days, die überarbeiteten Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft zur Ernährung (DGE) zur Beschränkung des Verzehrs auf ein Hühnerei pro Woche oder der erste Entwurf zum Gebäudeenergiegesetz (GEG, "Heizungsgesetz").


Der ndr problematisiert auf seiner Webseite invasive Arten im Garten (Link): "Darum sind sie problematisch".


Dort wird aufgeklärt (Unterschied zwischen Neophyten und invasiven Neophyten), andererseits aber auch undifferenziert verallgemeinert. Sprechen wir von Gärten im ländlichen Siedlungsraum oder von Gärten in urbanen und suburbanen Bereichen? Welche Lebensräume werden durch invasive Neophyten konkret bedroht? Es sind i.d.R. Sonderstandorte für an die besonderen Bedingungen spezialisierte (heimische) Pflanzen, die aber eher nicht in der unmittelbaren Umgebung urbaner Gärten zu finden sind. Beispiel Essigbaum als invasiver Neophyt:


Selbst der größte Ausläuferbildner unter den Essigbäumen wird es nicht einmal über die nächste Kreuzung schaffen. Das passiert nur, wenn Gartenabfälle direkt in der Natur/ freien Landschaft entsorgt werden.


Für die Pflanzenwelt in Gärten mit ganz anderen Standortverhältnissen im Vergleich zur freien Landschaft bleibt im Licht der Klimaveränderungen der andere große Zusammenhang: Welche Arten können im Garten zu einem stabilen pflanzlichen Grundgerüst beitragen und künftig ohne automatische Beregnung und ohne Pflanzenschutzmaßnahmen überhaupt überleben?


Was den Schutz seltener oder spezialisierter Insekten angeht, die in enger ökologischer Beziehung zu speziellen Pflanzen stehen, so wird es auch bei konsequentem Verzicht auf Neophyten nicht gelingen, eine Art von Wunschinsektenpopulation anzusiedeln. Deren Lebensräume reichen in der Regel über die im urbanen/ suburbanen eng geschnittenen Gartengrenzen hinaus.


Als Pflanzenproduzent auch von Kirschlorbeerarten vertreten wir die Meinung, dass auch eine Hecke aus Kirschlorbeer im (wohlgemerkt urbanen, niemals aber ländlichen!) Siedlungsbereich für Tier- und Insektenwelt allemal wertvoller ist als keine Hecke oder die offenbar invasive Verbreitung von Doppelstabgitter-zäunen mit ‚Lappenbehang‘ in Gärten. 




Whataboutismus für Kirschlorbeer-Produzenten: Doppelstabgitterzäune mit Lappenbehang,

Isolation hinter Frischhaltefolie



Diese Frischhaltefolienlösung ist nicht nur gartenästhetisch und für das Ortsbild eine Katastrophe, sondern bedeutet für Lebensräume im Siedlungsgebiet, die sich gerade durch miteinander verbundene Gärten und Grünflächen auszeichnen, eine überaus starke Barrierewirkung. 


Welches Verhältnis zur Natur, zu Lebewesen und zum Gartenverständnis drücken derartige "Gestaltungen" des eigenen unmittelbaren Stückchens Grün aus?

 

Kirschlorbeer und mit ihnen im Schlepptau Glanzmispeln (Photinia) und Portugiesische Lorbeerkirsche (Prunus lusitanica 'Angustifolia') halten wir als Pflanzenproduzent und Pflanzenverwender in unseren Gärten aus gartengestalterischen wie gartenästhetischen Gründen für verzichtbar.


Ganz sicher jedoch werden Kirschlorbeer et al. der Biodiversität im Garten nicht den Rest geben, wenn Stauden, Gräsern, Gehölzen und ‚wilde Ecken‘ als ein vielfältiges und abwechslungsreiches Mosaik einen insektenfreundlichen Garten bilden. Diese Mischung macht’s, Zäune tun dies nicht, Pflanzenverbote aus unserer Sicht auch nicht.





Veröffentlicht in Pflanzenverwendung am 13.06.2024 10:00 Uhr.

Was die meiste Gartenarbeit verursacht - TOP 1: Unerwünschter Aufwuchs durch fehlende oder falsche Bepflanzung 

War klar, dass TOP 1 etwas mit Pflanzen zu tun hat, oder? Wir sind schließlich Pflanzenproduzenten!

Im Ernst:

Egal ob Bodendecker, organischer oder mineralischer Mulch oder Bändchengewebe als Unkrautvlies - Ziel dieser Maßnahmen ist immer die Eindämmung von 'unerwünschtem Aufwuchs'. Denn Unkraut im Garten verursacht wohl die meiste Gartenarbeit und die Entfernung dieses - gartenpolitisch korrekt bezeichneten - 'unerwünschten Aufwuchses' gilt gleichzeitig als wohl unbeliebteste Gartenarbeit und wird in nur wenigen Fällen als meditativ-kontemplative Tätigkeit gelobt.


 


Typische inselhafte 'Halligenpflanzung' ohne Bodenschluss: Die Immerwiederherstellung der schwarzen Erde gilt für viele Gartenbesitzer als die lästigste Gartenarbeit, für andere jedoch bedeuten Pflanzen auf Abstand die erwünschte Ordnung und volle Kontrolle im Beet - als pflegeleicht kann diese Gestaltung nicht bezeichnet werden, abgesehen davon, dass als Touristen in diese Inselwelt eindringende Pflanzen sofort identifiziert werden können



Wo hingegen eine Pflanzendecke aus 'erwünschten' Pflanzen im Garten für Bodenschluss/ Bodendeckung sorgt, hat es unerwünschter Aufwuchs schwerer: Durch weniger Licht am Boden und Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe ziehen Unkräuter und Ungräser in funktionierenden Pflanzungen oftmals den Kürzeren.


Wenig gartenpflegebedürftige Pflanzflächen sind von eher langsam wachsenden Gehölzen und wenigen Staudenarten geprägt, die, in größeren Gruppen gepflanzt, ruhige Gartenbilder schaffen können. 


Eine nach Bodenschluss pflegeleichte Pflanzendecke lässt sich – nach guter Bodenvorbereitung, bei der vor allem Dauerunkräuer möglichst restlos entfernt werden müssen – mit Bodendeckern aus der Gruppe der Geranium (Storchschnabel), mit Waldsteinia, Schattengrün (Pachysandra), Elfenblumen (Epimedium), Wald-Marbeln (Luzula sylvatica), Immergün (Vinca), bodendeckende/ kriechende Spindelsträucher (Euonymus) oder Efeu (Hedera)  pflanzen. Diese ausläufertreibenden Stauden (und bodendeckenden Gehölze) lassen sich besonders gut im Lebensbereich Gehölz/Gehölzrand verwenden – auch als Rasenersatz unter Bäumen (siehe TOPp 3 Rasenfetisch). 





Zwei winter- bzw. immergrüne verlässliche Bodendecker für schattige und halbschattige Flächen aus den Lebensbereichen Gehälz und Gehölzrand: links Euonymus fortunei var. radicans (Kriechender Spindelstrauch) und rechts Waldsteina ternata 

(Staude, Waldsteine)




Bodenschluss, ruhiges Pflanzenbild aus optisch wenigen dominierenden Arten: Eine Salzwiese an der Nordseeküste hat mit den Standortbedingungen in einem Garten so gut wie nichts gemeinsam - zeigt jedoch, dass auch mit nur wenigen und in diesem Fall auch noch ähnlich hoch wachsenden Pflanzenarten nach dem Vorbild der Natur ästhetische Pflanzenbilder möglich sind


Langsamentwickler unter den krautigen Pflanzen sind dabei in der Regel die nachhaltigere Wahl. Wuchernde Stauden sollten nicht verwendet werden – oder aber in größeren Flächen einfach akzeptiert werden.  Die rote Linie zu wuchernden Stauden überschreiten sicherlich Stauden wie Goldfelberich (Lysimachia punctata), Beinwell (Symphitum), Lampionblume (Physalis), Wald-Erdbeere (Fragaria vesca, jedoch als Bodendecker gar nicht schlecht!) und ehrlich gesagt auch der weit verbreitete Frauenmantel – zumindest die Art Alchemilla mollis, die sich über Aussaat nicht nur im Beet ausbreitet, sondern auch gerne in etwas breiteren Pflasterfugen wächst. Wanderer durch den Garten wie Akelei, Fingerhut oder Kugeldistel (Echinops) sorgen für eine Portion Überraschung und Dynamik im Beet – wer’s nicht mag, hat die Arbeit, die Sämlinge zu entfernen.

 

Stauden mit ‚Spezialansprüchen‘ scheiden ebenso aus – dazu zählen Diven im Beet wie Rittersporn (Delphinium) oder Steppenkerzen (Eremurus), Stauden aus dem Alpinum – selbst die alte und bei geeignetem Standort langlebige Gartenstaude Sommer-Phlox (Phlox paniculata und Sorten) zählt mit ihren Wünschen ‚sonniger Stand <> kühler, feuchter Boden‘ zur Gruppe der eher anspruchsvollen Stauden.


Langlebige Stauden sind mindestens als Gerüst empfehlenswert. Zur dieser Gruppe zählen wir für schattige bis absonnige Flächen 


·     Aconitum napellus (Blauer Berg-Eisenhut, sehr giftig!)

·     Aruncus in Arten und Sorten (Waldgeißbart)

·     Aster divaricatus (Weiße Sommer-Wald-Aster)

·     Astilben in Arten und Sorten (Spieren),  

·     Alchemilla epipsila (Zierlicher Frauenmantel, versamt sich im Unterschied zu A. mollis nicht) 

·     Helleborus Orientalis-Hybriden (Lenzrose), H. niger (Christrose) und H. foetidus (Stinkende Nieswurz)

·     Hosta in vielen Sorten (Funkie)

·     Geranium macrorhizum in Sorten (Balkan-Storchschnabel)

·     Lamium orvala (Taubnessel)

·     Tanacetum vulgare (Rainfarn, heimische Wildstaude, Vorsicht: starke Ausläuferbildung und Versamungsdruck, stark giftig)

·     Waldsteinia geoides und W. ternata (Ungarwurz, Waldsteinie)

 

Auf sonnigen Freiflächen bzw. am sonnigen Gehölzrand funktionieren als verlässliche Langzeitstauden

 

·     Anemone hupehensis in Sorten (Herbst-Anemone)

·     Euphorbia palustris (Sumpf-Wolfsmilch) und E. seguieriana ssp. niciciana (Steppen-Wolfsmilch)

·     Hemerocallis in vielen Sorten (Taglilien)

·     Iris sibirica (Sibirische Iris)

·     Paeonia in Arten und Sorten (Pfingstrosen), 

·     Polygonum amplexicaule in Sorten (Kerzen-Knöterich)

·     Miscanthus sinensis in Sorten (China-Schilf)

·     Phlox amplifolia (Großblatt-Phlox) 

·     Sedum in Arten uind Sorten (Fetthenne)



Hinzu kommen Stauden, die mit langer Blütezeit lange dekorativ im Beet aussehen oder als Spätblüher wie viele Astern durch ihren straffen, horstartigen Wuchs lange Zeit im Gartenjahr für eine gewisse Ordnung im Beet sorgen. Lange Blütezeiten bieten beispielsweise 

 

·     Rudbeckia fuldiga var. deamii (Sonnenhut)

·     Coreopsis verticillata (Nadelblättriges Mädchenauge, jedoch aufgepasst: andere Coreopsis-Arten gelten als kurzlebig)

·     Polygonum amplexicaule in Sorten (Kerzen-Knöterich)






Pflanzfläche im öffentlichen Bereich mit gutem Bodenschluss: Unkrautkontrolle bleibt wichtig, ist aber durch die gute Bodendeckung beherrschbar; als Bepflanzungs-Mischtyp zwischen Mosaik- und Driftpflanzung erfordert die Anlage Kenntnisse in der Pflanzenverwendung



Gemeinsam mit den oben genannten Bodendeckern lassen sich bereits aus dieser kleinen Auswahl - ergänzt um Gehölze - geeignete Pflanzenkombinationen zusammenstellen. Eine Kombination von höheren Stauden mit einer niedrigen/ bodendeckenden Bepflanzung führt dabei durch die höhere Blattbedeckung (Beschattung) des Bodens zur Unterdrückung zahlreicher Unkräuter.


Die Abdeckung des Bodens lässt sich in einigen ergänzen durch Verwendung geeigneten Mulchmaterials (wichtig bei Verwendung organischen Mulchs: Stickstoff-Ausgleichsdüngung vor Aufbringung des Mulchs). Als Mulch kommen sowohl organische wie mineralische Stoffe in Frage. Die Auswahl des geeigneten Mulchs hängt vom Lebensbereich sowie von der Bepflanzung ab.




Pflanzung im Bereich Freifläche: Eine Abdeckung mit mineralischem Mulch eignet sich vor allem für Pflanzen, die auch am Naturstandort nicht auf ausgesprochen humosen Standorten wachsen




 

Auch im Winter bietet eine mit mineralischem Mulch abgedeckte Fläche ein ansprechendes Bild - wie hier bei einer Neupflanzung nach der ersten Vegetationsperiode





Humusliebende Pflanzflächen aus den Lebensbereichen Gehölz und Gehölzrand lassen sich mit organischem Material abdecken. Die auf dem Foto links abgebildeten Holzhackschnitzel werden häufig als Pflanzflächenabdeckung verkauft, da diesen Material im Landschaftsbau massenhaft anfällt. Im frischen Zustand ist es als Stickstoff-Starkzehrer und der sehr groben Textur zumindest für Staudenpflanzungen ungeeignet - besser: gut abgelagerten 'echten' Rindenmulch wie im Bild rechts verwenden, Stickstoff-Ausgleichsdüngung vor Mulchauftrag nicht vergessen






Einfach liegen lassen - die natürliche Abdeckung aus Herbstlaub (hier: Zier-Kirsche): Gut für den Boden und gut für die Überwinterung von Stauden und Blumenzwiebeln (und Krabbelkäfern)


Monokulturen mit großflächiger Verwendung nur einer Art (Monopflanzungen/ Einartpflanzungen) - also ganz ohne Dynamik und einfach zu pflegen - können funktionieren und haben nur geringen Planungs- und Pflegeaufwand. 


Fragen Sie sich: Ist das der Anspruch an meinen Garten, selbst wenn Pflegeleichtigkeit oberste Prämisse ist? 




 

Keine Einart- sondern eine 3-Art-Pflanzung: Mustergarten in den Tuin van Appeltern aus Leymus (Strand-Roggen), Farnkraut und Wald-Kiefern (Pinus sylvestris, ja, die werden ganz schön groß!) - plus Kiesweg und Rahmen aus einer Formschnitthecke (Rot-Buche) ergibt ein prägnantes Gartenbild und ist pflegeleicht



Werden Pflegeaufwand und Pflegequalifizierung von Bepflanzungstypen zum Maßstab genommen wie im Handbuch der Staudenverwendung (Hrsg. Jürgen Bouillon, Ulmer Verlag), so schneiden neben der vorgenannten Monopflanzung diese beiden Bepflanzungstypen am besten ab:

 

·     Blockpflanzung (Verwendung großer Staudengruppen aus wenigen Arten, ausdrucksstarke Pflanzungen mit ganzjähriger Kontinuität, für die beabsichtigte Wirkung ist keine Dynamik zulässig, Unkraut ist auch für Laien sehr einfach identifizierbar)

 

·     Driftpflanzung (wellenartig strukturierte, auch höhengestaffelte Gruppenpflanzung, Wirkungsbeziehung durch langgestreckte Kontaktflächen zwischen den einzelnen Stauden- und Gräserbändern, wenig Dynamik zulässig, jedoch deutlich vielgestaltiger als Blockpflanzungen)

 


Pflegeleicht wird ein Beet, wenn sich Blühaspekte und Blattmasse im Saisonverlauf steigern, so dass keine größeren Löcher in der Pflanzendecke verbleiben, wie beispielsweise nach der Blüte vom Tränenden Herz (Dicentra) oder Türkischem Mohn (Papaver orientale). Farbtupfer von für die Verwilderung geeigneten Blumenzwiebeln wie Blausternchen (Scilla), viele Narzissenarten und -sorten sowie einige Zierlauch-Sorten im Frühjahr eröffnen das Gartenjahr fast ohne Pflegeaufwand und hinterlassen nach der Blüte keine Löcher in der Pflanzfläche.


Natürlich fordern kleinere Flächen geringeren Aufwand. Aber größere Gärten lassen sich auch pflegeleicht gestalten, etwa mit Pflanzen, die nur wenig Wasser benötigen – Arten also, die keine Spezialwünsche haben.


Das Thema Gartenbewässerung x Pflegeleichtigkeit bringen Klaus und Karin Kaiser, Landschaftsarchitekten aus Coburg,  in der Gartenpraxis 01/2015 (Gärten für die zweite Lebenshälfte, S. 36-41) mit Blick auf die Pflanzenauswahl gut auf den Punkt:

 

„Überhaupt sollte der Garten mit so wenig wie möglich zusätzlicher Bewässerung auskommen. Das wird möglich durch (…) standortgerechte Bepflanzung. Eine Auswahl von Pflanzen, die dem Boden und Klima angepasst sind, die aber auch in ihrer Wuchskraft miteinander klarkommen, reduziert die Pflege merklich.“



Folko Kullmann, ehemaliger Chefredakteur der Fachzeitschrift Gartenpraxis, bringt die Bedeutung der standortgerechten Pflanzenauswahl als Grundlage jeder Pflegeleichtigkeit folgendermaßen auf den Punkt:

 

"Right Plant, Right Place: Das Motto der berühmten englischen Gärtnerin  [Anm.: Gemeint ist die im Jahr 2018 im Alter von 94 Jahren verstorbene englische Gärtnerin Beth Chatto, von der posthum im Sommer 2023  überarbeitete Texte als Buch 'Right Plant - Right Place' im Ulmer Verlag erscheinen] ist heute wichtiger denn je. Sie ersparen sich jede Menge unnötige Pflege und Frust, wenn Sie Pflanzenpassend zu den Bedingungen in Ihrem Garten auswählen." (aus: Gärtnern für Entspannte, Welt am Sonntag vom 09.08.2020)

 

Nun haben wir die Top 5 der Arbeiten im Garten beisammen die womöglich die meiste Arbeit verursachen.  



Jetzt lautet die Aufgabe nur noch 

 

-      die vorhandene Gartengröße

-      den Flächenzuschnitt

-      den Pflanzenbestand soweit vorhanden

-      die ästhetische und räumliche Korrespondenz (oder den Kontrast) zur Umgebung und Architektur

-      die Licht-, Wasser- und Bodenverhältnissen 

-      und natürlich auch Ihren persönlichen Vorlieben 

 

unter einen Hut zu bringen.



Und jetzt: Wie gehe ich das 'nur noch' an?


Viele Gartenbesitzer vergessen: Um es später pflegeleicht zu haben, ist der Aufwand für die Vorplanung häufig größer – lohnt sich aber!

 

Landschaftsarchitektin Heidi Howcraft drückt es in ihrer leider längst eingestellten Gartenkolumne in der nzz so aus:

 

„Manche Gartentypen machen mehr Arbeit als andere. Was die herrlichen Bilder von wunderschönen Gärten nie sagen, ist, wie viele Arbeitsstunden investiert wurden. Fachleute sprechen von intensiven und extensiven Flächen. Das Spektrum umfasst Hauswurz auf einem Flachdach (extensiv, sich selbst überlassen), Prachtrabatten (intensiv, regelmäßige Eingriffe erforderlich), den englischen Rasen (zweimal die Woche mähen) bis zu Heuwiesen (zweimal im Jahr mähen). Schätzen Sie Ihre Kräfte und Ihre Zeit ein, bevor Sie zum Spaten greifen, es lohnt sich, vorher zu planen.“

 


Verzweifeln Sie nicht an der Vielfalt der Lösungswege für diese Aufgabe, sondern freuen Sie sich, dass Sie einen Garten haben und wenden Sie sich an Fachleute.

 

Landschaftsarchitekten können Ihnen Referenzen zeigen, beraten Sie und planen Ihre Bepflanzung – das ist eine Investition in eine Dienstleistung, die sich auszahlt und in der Regel auch nicht adäquat von Betrieben des Garten- und Landschaftsbau erbracht werden kann. 





Die Bepflanzungsplanung kann wie bei diesem Hausgarten-Projekt in Hamburg- Groß Borstel zur Hauptsache werden: Die Erstellung eines Bepflanzungsentwurfs und später eines Pflanzplanes lassen sich eng mit den Auftraggebern abstimmen - eine Dienstleistung, die in diesem Fall ein hervorragendes Ergebnis zur Zufriedenheit beim Kunden geführt hat. (Buch oben: Bepflanzungsentwurf; Postkarten und Buch unten rechts/ vom Auftraggeber erstellt:  Ergebnis; Planung: Landschaftsarchitekt Henning Stoldt/ BHF Bendfeldt Herrmann Franke Landschaftsarchitekten GmbH, Kiel; Pflanzenlieferung: Horst Bradfisch Baumschulen GmbH, Ausführung: Osbahr GmbH)

 

Die Landschaftsbaubetriebe wollen (und sollen, am liebsten: nur und dafür fachgerecht) bauen. Planung wird häufig nur als notwendiges Übel miterbracht – und zwar auch nicht ‚gratis‘, sondern als in die Gesamtbauleistung und Rendite der Baustelle eingepreiste Position. Landschaftsarchitekten beraten Sie auf Ihrer Seite.


Und die spätere Pflege? Da sind die Fachbetriebe des Garten- und Landschaftsbaus die richtigen Ansprechpartner - lassen Sie sich von den Fachleuten helfen –  kontinuierlich, oder mindestens zu den High-Noon-Zeiten im Gartenjahr, nämlich im Frühjahr und Herbst, zu Zeiten also, zu denen viel Schnitt anfällt. 

 

Es gibt Gartenbücher zum Thema ‚pflegeleichter Garten‘ auf dem Markt mit einer Vielfalt von Anregungen und bedenkenswerten Einzelaspekten. Lassen Sie sich nicht von den professionell fotografierten Gartentotalen verunsichern: Häufig handelt es sich dabei um sog. Stockfotos (gerne aus dem Supergartenland England) oder um Bilder von Gartenschauen. Damit müssen Sie doch gar nicht konkurrieren. 

 

Bei einem aufmerksamen Spaziergang in der Nachbarschaft lassen sich sowohl pflegeleichte wie auch gartenästhetisch überdurchschnittlich gelungene Gärten (bzw. zumeist Vorgärten) entdecken.

 




Veröffentlicht in Pflanzenverwendung am 19.06.2023 8:08 Uhr.

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Inh.: Bettina Stoldt, Dipl.-Ing. agr. (FH)

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