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Pflanzenverwenders Lieblinge

Die beliebtesten Gartenpflanzen


Was bei uns in den Quartieren wächst oder über den Versandhof läuft, ist nicht unbedingt aussagekräftig bei der Suche nach den beliebtesten Pflanzen. Wir haben daher geschaut, welche Pflanzen professionelle Pflanzenverwender besonders häufig für ihre Gartenprojekten aussuchen.


Henning Stoldt, Landschaftsarchitekt

Die beliebtesten Gartenpflanzen professioneller Pflanzenverwender









Beliebte Pflanzen und merkwürdige Listen


Die Welt am Sonntag meldet in ihrer Ausgabe vom 23.03.21: Die beliebtesten Schnittblumen sind Rose (mit Abstand!), Tulpe und Chrysantheme. Die Top 3 in „Beet und Balkonkasten“ lauten Sommerheide, Geranie und Stiefmütterchen. Die Daten stammen aus ermittelten Marktanteilen 2019.


Rosen und Sommerheide laufen zwar bei uns auch über den Versandhof – doch bilden diese Kandidaten wirklich die Gruppe der ‚beliebtesten Pflanzen‘ für die Verwendung in Gärten ab?


Weitere Recherchen fördern allerhand Listen und Aufzählungen zu Tage. Die bei der Google-Stichwortsuche ‚Beliebteste Pflanzen Garten‘  Top 1 platzierte Seite 11880-gartenbau.com („Der grüne Daumen – Gartenbau Ratgeber“) präsentiert mehrere Hitlisten. Angaben, woraus diese Listen ermittelt wurden, finden sich leider nicht.


Als ‚Top 10‘ der beliebtesten mehrjährigen Blumen, Unterkategorie ‚beliebte Gartenstauden für Frühjahr und Sommer‘ werden präsentiert:


  • Duftnessel
  • Grasnelke
  • Fetthenne
  • Hibiskus (huch, ist das nicht ein Gehölz?)
  • Schleierkraut
  • Iris
  • Orchidee (auf der Fensterbank, Blick nach draußen?)
  • Nelkenwurz
  • Pfingst- und Lenzrose
  • Schmucklilie



Unsere Vermutung: Mindestens von Agastache (Duftnessel), Armeria (Grasnelke) und Geum (Nelkenwurz) haben die allermeisten Menschen egal ob mit oder ohne Garten eher noch nie gehört.

Armeria maritima Grasnelke

Egal, denn „speziell bei den Stauden haben Sie eine Riesenauswahl an Sorten und auch Arten (sic!). So können Sie neben Blumenstauden auch kletternde Blumenstauden oder Bodendeckerstauden einsetzen.“


Pfingst- und Lenzrose (Paeonia und Helleborus) zusammenwerfen ist natürlich nicht schlimm, da sollten sich problemlos Zistrose (Cistus), Kletterrose (Rosa) und Gürtelrose (Herpes zoster) ergänzen lassen…


Zum Thema Rosen problematisiert die Redaktion von 11880-gartenbau.com:


„Eine TOP 10 der Gartenrosen aufzustellen, ist aufgrund der großen Vielfalt nicht so einfach. Seit Jahrhunderten gilt die Rose Hobby-Gärtnern und auch professionellen Garten- und Landschaftsbauern als die Krönung des Blumengartens. Rosen sind wunderschön und können bei richtiger Pflege mehrmals und über mehrere Jahre hinweg blühen.“


 

Armeria maritima, die Grasnelke - hier dominierend in einer extensiven Schrägdachbegrünung:

Eine schöne Staude, aber gleich Top 10 der beliebtesten Gartenpflanzen?

Rosenblüte mit Raureif


Wir kennen Kleinstrauch- und Strauchrosen, die je nach Witterung noch im Dezember einzelne Blüten zeigen, die der Raureif dann und wann hinreißend verzuckert.


Trotz vielfacher Bemühungen ist es uns trotz allerrichtigster Pflege noch nicht gelungen, Sinn zu machen über mehrere Jahre hinweg blühende Exemplare beobachten zu können…  Aber wir haben auch noch nicht mit Landschaftsbauern und -bäuerinnen und ihren kletternden Blumenstauden gesprochen, sondern lediglich mit Landschaftsgärtnerinnen und -gärtnern, unser Fehler.


Sie merken schon, gewisse ‚Experten‘-Aussagen lassen sich nur unter Zugabe von ameisensäurehaltiger Ironie ertragen, vor allem, wenn als erstes ‚Suchergebnis‘ einer Websuche die Experten von von E605-gartenbauer.net.gut 11880-gartenbau.com erscheint.



Einen anderen Weg wählen die ebenfalls bei der Suche nach den beliebtesten Pflanzen sehr gut plazierten Angeboten von plantura.garten und praxistipp.focus.de: Hier werden Empfehlungen ausgesprochen für eine Top 10 der Gartenpflanzen, "die in keinem Beet fehlen sollten" (plantura.garten):


Neben Gehölzen wie Apfel, Sommerflieder, Lavendel und Rose finden sich Stauden wie Taglilie, Funkie und Frauenmantel sowie aus dem Gemüsebeet Erdbeeren und sogar Mangold (!).



"Rosen sind wunderschön und können über mehrere Jahre hinweg blühen“: Wow und quasi supertop?










Die beliebtesten Pflanzen? Unser Ermittlungsansatz...


Die Aufgabe, die beliebtesten Gartenpflanzen zu ermitteln, hat ihren Reiz, bedarf aber einer gewissen Beschränkung, um das Vorhaben in den Griff zu bekommen.


Daher stellen wir unseren Listen folgende Prämissen voran:


  1. Die Aufstellungen dienen (auch) der Unterhaltung und sind womöglich nicht repräsentativ für die Gesamtheit von Gärten, denn:
  2. es werden nur Pflanzenauswahlen aus einer überschaubaren Menge veröffentlichter Gartenprojekten berücksichtigt, die professionell geplant und angelegt werden (ansonsten siehe bitte Liste von 1188siewissenschon)


Um eine Aufstellung aktuell beliebter Gartenpflanzen zu erarbeiten, wurde die Buchreihe der ‚Gärten des Jahres‘ (Callwey-Verlag) zu Rate gezogen und zwar die Jahrgänge 2016, 2017, 2019, 2020 und 2021.


Das macht als Datengrundlage immerhin 5 x 50 Gärten, die jeweils mit Text und zahlreichen Bildern vorgestellt werden. Die Hitlisten setzen sich aus den über Text und Bilder identifizierbaren Pflanzen zusammen.


In den Büchern werden natürlich stets die Schokoladenseiten und Schokoladenzeiten der Gärten gezeigt. Fotografiert wurde meistens im späten Frühjahr/ Frühsommer mit Salbei-/ Geranium-/ Zierlauch-/ Katzenminzenblüte oder (Spät)sommer zur Zeit der Hortensien- und Gräserblüte. Doch es finden sich auch Fotos aus dem Herbst und aus dem Frühjahr mit blühenden Zwiebelfrühblühern. Aufgrund dieser jahreszeitlichen Foto-Schieflage verzichten wir auf die Gruppe der Geophyten.


Buchreihe Gärten des Jahres











Heavy Rotation und Funktionsfähigkeit


Aus den so zusammengestellten Listen lesen wir im Vorgriff auf ebendiese zweierlei ab:


Erstens gibt es eine gewisse ‚Heavy Rotation‘ bei Stauden, Gräsern und Gehölzen. Das hat nicht nur damit zu tun, dass zahlreiche Planungsbüros in jeder Ausgabe und in einigen Ausgaben gleich mehrfach auftauchen. Wie auch auf anderen Gebieten des Produktdesigns und in der Bekleidungsindustrie dürften dafür sich selbst verstärkende Effekte und Vorbilder/ Nachahmung verantwortlich ein – und nennt sich Modeerscheinung.


Moden und damit Veränderungen in unseren Gärten sind eher langsamer Natur: Stichwort Gräser im Garten. Seit Karl Foersters ‚Grässlich, ein Garten ohne Gräser‘ dauert der Siegeszug in die hiesigen Gärten trotz starker Einflüsse der Gräserverfechter Foerster, Pagels, Oehme und Oudolf nun schon weit über ein halbes Jahrhundert an.


Zweitens aber – und das ist ein wichtiger Punkt für Baumschulen und die Entwicklung von Pflanzensortimenten – es sind vielfach Pflanzen, die im Garten einfach mal ‚funktionieren‘, ob in Kombinationen, als Solitärs, zur Raumbildung oder bei Trockenstress, Stichwort Klimawandel. Pflanzen, die nicht gleich großes Mimimi anstimmen, wenn der Gärtner die Einzelansprache vergisst.


In der Baumschule staunen wir immer wieder über die Anfragen und Bestellungen ausgesprochen exotischer Gehölze und Stauden. Ihren Anteil daran könnten Pflanzenportraits in Bildbänden und (Fach-)Zeitschriften haben, oder – und das scheint uns der weitaus häufigere Grund zu sein – der Wunsch, der Blüten nach etwas ‚ganz Besonderem‘ treibt.


Umso bedauerlicher ist, dass sich diese Exoten zumindest im öffentlich einsehbaren Straßen- oder Parkbild wenig bis gar nicht wiederfinden. Womöglich unterliegen der Konkurrenz oder dem Spätfrost – oder werden mangels Fachwissen weggepflegt:  


 „Ganze 200 verschiedene Pflanzenarten haben Anja und Michael Gut gepflanzt, doch bei solch artenreichen Mischpflanzungen muss man in Kauf nehmen, dass ein gewisser Prozentsatz wieder verschwinden wird: Das steht und fällt mit der Pflege, das ist immer die größte Herausforderung.“ (aus: Gärten des Jahres 2021, S. 232/ 233)


In den ‚Gärten des Jahres‘ vorgestellten Bepflanzungen von Landschaftsarchitekten sind derartige Exoten eher die Ausnahme: „Auf große Exoten haben wir bewusst verzichtet“ (aus: Gärten des Jahres 2021, S. 190/192).


Abgesehen davon, dass es nicht so ganz einfach sein dürfte, als „Planer“ den Kunden unbewusst „große Exoten“ unterzujubeln, gelingt es den meisten Planungen den Fotos nach zu urteilen, Pflanzen des „Standardsortiments“  gut zu kombinieren.


So lassen sich überzeugende Pflanzenbilder erzeugen, die auch dauerhaft sind – so dauerhaft, wie sich im steten Wandel befindliche Pflanzungen als archetypisches Kennzeichen eines Gartens eben sein können.

Grundlage unserer Aufstellungen bildet die alljährlich fortgesetzte Gartenbuchreihe Gärten des Jahres vom Callwey-Verlag

Mangold Blätter

Von den Listenkönigen praxistipp.focus.de stammt der Online-Beitrag (04.09.2020) „die 10 besten Pflanzen und warum gerade diese in jeden Garten passen“.


Beim Focus im Fokus: „Pflanzen sehen nicht nur schön aus, sondern bieten auch einen Mehrwert. Mit dieser Auswahl werden Sie lange glücklich mit Ihrem Garten sein.“

 

Schauen wir einmal, was uns Mehrwert bietet:


  • Lavendel – für Lavendelöl, wer hat es nicht schon selber hergestellt; für die Hausapotheke werden außerdem Ringelblumen empfohlen, denn „aus diesen Blumen lassen sich unglaublich viele Heilmittel erstellen, die Sie auch selber machen können".
  • Schmetterlingsflieder – denn "diese Pflanze ist sehr pflegeleicht und macht den Garten farbenfroh."
  • Rote Rosen – sollte getreu dem Focus dann einpflanzen, wer rote Rosen mag; „die Blume ist winterhart und blüht ständig wieder auf“


"Wenn Sie rote Rosen mögen, dann sollten Sie auch

diese in Ihrem Garten einpflanzen" 

aus: praxistipp.focus.de, Pflanzen für den Garten: Die 10 besten



Liebhabern exotischer Pflanzen wird ein Granatapfelbaum ans Herz gelegt,  ansonsten sei auch der Apfelbaum empfehlenswert, "bringt jährlich viele Früchte und muss nicht begossen werden“ .


Herrlich der Tipp für  "viele Menschen", die es mögen „Ihren Weg zur Haustür zu bepflanzen“, dafür stehen praktischerweise gleich über einen Affiliate-Link die „immer blühenden Eisblumen“ parat.

 

Doch wer sich amüsiert über viele allerbeste Pflanzen wie wir an dieser Stelle und derartigen Tagebau für gepflegtes Content-Bashing betreibt, der soll jetzt bitteschön mal seine eigene Top 10 an den Start bringen.


Einverstanden!

Gartengestaltung geht am besten mit Mangold - sagt plantura.garten

Wir hoffen trotz dieser für Pflanzenverwender herausfordernden Prognose für die Pflanzenverwendung allgemein und für eine Lieblingspflanze wie der Hortensie im Besonderen, dass Ihr grüner Daumen trotzdem auch in Zukunft noch juckt–


und wir wünschen viel Spaß und Erfolg bei der Pflanzenverwendung!














Exoten: Baumfarn und Seidenbaum

Bei uns (noch?) Exoten, in London Must-Have in schattigen und mauerumfriedeten Architekten-Hinterhofgärten: Australische Baumfarne (Dicksonia antarctica, Bild links) - Bild rechts: Der Seidenbaum (Albizia julibrissin) wird zwar der Winterhärtezone (Whz) 8a (-12,2 bis -9,5°C) zugeordnet, was Teilen Westfrankreichs bis Nord- und Zentralspanien, Teilen Englands und Teilen der Adriaküste entspricht - Seidenbäume lassen sich auch schon hierzulande sichten - und werden bereits der Gruppe der Bäume für den Klimawandel zugeordnet

Jetzt könnte der Einwand kommen: Pflanzenverwender von heute haben eher bescheidene Pflanzenkenntnisse, da reicht es eben nur zum Standardsortiment.


Hier darf gerne differenziert werden – und die in der Reihe ‚Gärten des Jahres‘ vorgestellten Projekte zeigen es: Planer und Planungen sowie die jeweilige Ausgangssituation der einzelnen Gärten (also der Bestand und dessen Einbeziehung) unterscheiden sich stark voneinander.


Gegen Ausprobieren lässt sich abgesehen vom Einwand, dass dies auf Kosten des jeweiligen, womöglich pflanzenahnungslosen Auftraggebers geschieht, wenig sagen – das nennt sich früher oder später Erfahrung.


Als tragfähiges und vielleicht ausbaubares Grundlayout eignen sich funktionierende Kombinations-Standards  allemal besser als eine ambitioniert gescheiterte Bepflanzung aus ‚Besonderheiten‘. Kundenwünsche nach Verwendung bekannter Gehölz- und Staudendauerbrenner tragen den Rest bei.


Die Liste ist unterteilt in die Kategorien Bäume, Solitärs/ Sträucher, Hecken, Klettergehölze, Gräser und Stauden. Das Ranking ergibt sich aus der Zahl der Projekte, die anhand der Projektfotos, des Begleittextes sowie des Schlagwortverzeichnisses identifiziert werden konnten. Die für einige Pflanzen aufgeführten Klammerwerte gibt die absolute Zahl der Projekte an (ohne Gewähr).


Apropros Schlagwortverzeichnis: Das gibt es erst seit dem Jahrgang 2017 und brauchbar wird es erst seit Jahrgang 2018 (mit Seitenangaben der Fundstellen), wobei die Pflanzen nach den deutschen Trivialnamen geordnet sind.


Gehölzarten wie Parrotia, Pinus, Buxus und Taxus haben wir bei der Erfassung nicht nach Baum/ Solitär/ Formgehölz/ Hecke differenziert, sondern jeweils unter einer Kategorie zusammengefasst.  







Die beliebtesten Bäume


  1. (56) Amelanchier lamarckii Felsenbirne
  2. (40) Malus domestica, Malus spec. Apfelbaum bzw. Zier-Apfel 
  3. (21) Liquidambar styraciflua Amberbaum, vielfach Dachformen
  4. Platanus x acerifolia Platane, vor allem Dachformen
  5. Quercus palustris Sumpf-Eiche
  6. Carpinus betulus und ‘Fastigiata‘ Hainbuche/ Pyramiden-Hainbuche, vielfach Sonderformen wie kastenförmig erzogene Kronen
  7. Prunus spec. Gruppe der Japanischen Zier-Kirsche
  8. Betula utilis ‘Doorenbos’ bzw. B. jacquemontii Himalaya-Birke und Acer campestre Feld-Ahorn, alle Sorten
  9. Ginkgo biloba Ginkgo
  10. Catalpa bignonoides und Sorte 'Nana' Trompetenbaum
  11. Cercidiphyllum japonicum Kuchenbaum, Quercus pubescens Flaum-Eiche und Rhus typhina Essigbaum
  12. Liriodendron tulipifera Tulpenbaum, Pyrus calleryana ‘Chanticleer‘ Chin. Wild-Birne, Pyrus salicifolia Weidenblättrige Birne sowie Tilia spec., Linden mit Formschnitt-Kronen als Kasten oder Spalier
Amelanchier lamarckii, Schirmform, bei Nacht

Gartenarchitektur ohne Felsenbirnen? Für Gartenplaner ist dieses unkomplizierte 4-Jahreszeiten-Gehölz unverzichtbar - und mittlerweile auch mit schirmförmig erzogener Krone kein Geheimtipp, sondern ein Garten-Standard. Umso überraschender ist diese nächtliche Inszenierung auf dem 'Parkfunkeln 2021' im Stadtpark Norderstedt

Die Felsenbirne (Amelanchier lamarckii) als unempfindliches wie dankbares 4-Jahreszeiten-Gehölz landet erwartungsgemäß mit Abstand auf Platz 1. In den allermeisten Fällen wird dieses Gehölz nicht als Baum, sondern als mehrstämmiger Solitär bzw. Formgehölz mit Schirmform gepflanzt. Einerseits ist dies eine sehr attraktive Erscheinung, andererseits spiegelt dieses kleinkronige Gehölz auch die in Gärten häufig eher begrenzten Platzverhältnisse und Dimensionen wieder.


Im schönsten Architekten-Sprech heißt es beispielsweise in der Projektbeschreibung bei Landschaftsarchitekt Peter Berg: "Die Staudenflächen wurden mit Gehölzen aufgewertet, etwa mit schirmförmigen Felsenbirnen, die eine schöne Blüte ausbilden und gleichzeitig Vogelnährgehölze sind." (Gärten des Jahres 2018, S. 70/71).


Und es zeigt: Während bei kleinkronigen Bäumen die Privatkundschaft in der Regel nach sogenannten ‚Kugelbäumen‘ verlangt, finden sich aus dieser Gruppe in den insgesamt 300 von Profis geplanten Gartenprojekten nur zwei Kugelbäume – ein Kugel-Feld-Ahorn (Acer campestre ‚Nanum‘) sowie einige Kugel-Catalpa (Catalpa bignonoides ‘Nana‘). Die Pyramiden-Hainbuche (Carpinus betulus ‘Fastigiata‘) taucht an einigen Stellen als ‚Kugelbaumgehölz‘ im weiteren Sinn auf. Daneben finden sich vielfach ‚gezähmte‘ Hochstamm-Qualitäten mit geformten Dächern wie bei Liquidambar styraciflua (Amberbaum) und Platanus x acerifolia (Platane).


Sogar ein Gartengehölz mit ‚Verhaltensauffälligkeit‘ wie Rhus typhina, der Essigbaum (Ausläufer! Wuchert!), Klassiker der 1970er Jahre, findet bei einigen Projekten Verwendung – das mag sowohl an der auch ohne Formschnitt schirmförmigem Habitus wie auch an eindrucksvollen Verwendungsvorbildern wie Landschaftsarchitekt Tom Suart-Smith liegen.


Jenseits der Top 12 tauchen einige weitere kleinkronige Bäume wie Sorbus, Crataegus x prunifolia und sogar ein Crataegus-monogyna-Hochstamm auf.  Neben noch-Nischen-Baumarten wie Flaum-Eiche (Quercus pubescens) und Zelkove (Zelkova)  tauchen in den abgebildeten Gärten die der Gruppe der sog. Klimabäume zugeordnete Arten wie Blumen-Esche (Fraxinus ornus), Gleditschie, Blasenesche (Koelreuteria paniculata) und Seidenbaum (Ablizia) als Einzelfälle auf.


In der letzten Ausgabe 06.2020 des mittlerweile leider eingestellten Gartenmagazins GARTENDESIGN Inspiration (FORUM Verlag Herkert) werden diese vorgenannten Arten in eine Liste geeigneter Gehölzarten für den Einsatz im Privatgarten eingereiht. Aus den Top 12 sind außerdem dabei Ginkgo biloba, Liquidambar styraciflua, Parrotia persica und auch Heckengehölz Nr. 1 (s.u.) Taxus baccata.


In Hinblick auf unsere Sortiments- und Anbauplanung beobachten wir sehr genau, wie sich das Thema Klimabäume künftig auch im Privatgartenbereich entwickelt.

Taxus baccata mit Formschnitt

Taxus - unverzichtbar für immergrüne Formschnitthecken als ruhiger, dichttriebiger Hintergrund wie auch als Formschnittgehölz als Buchsbaum-Ersatz

Auch wenn die Eibe nicht immer als Hecke in den untersuchten Projekten auftauchen, sondern als Formgehölze oder Solitärs in den untersuchten Gärten eingesetzt und in der Heckenkategorie mitgezählt wurden, zeigt dies doch die Unverzichtbarkeit und Vielseitigkeit dieser immergrünen Konifere. Für zahlreiche professionelle Pflanzenverwender scheint Kirschlorbeer ein No-Go zu sein, denn als immergrünes Gehölz bieten Eiben eine feinere Textur, das dunklere Grün und einfach eine Portion mehr Eleganz.


Trotzdem hat es Kirschlorbeer in die Top 5 geschafft – womöglich aufgrund der größeren Wuchsgeschwindigkeit und der weniger als bei Eiben bekannten (und tatsächlichen) Giftigkeit. Die in der Privatkundschaft weitverbreiteten Lebensbäume (Thuja) werden von den Bepflanzungsprofis so gut wie gar nicht eingesetzt bzw. ersetzt: „Eine trostlose Thujenhecke musste weichen und wurde von einer Buchenhecke mit dunkel glänzendem Laub ersetzt, die den edlen Charakter des Gartens betont.“ (Gärten des Jahres 2016, S.77).


Fast schon verzweifelnd entschuldigend heißt es bei einem im 2018er Jahrgang vorgestellten Projekt: "Michael Daldrup ist zwar kein Fan der Thuja, wie er sagt, aber er riet dazu, die Hecke zu belassen, da sie hoch, dicht und vital ist und somit ihren Zweck erfüllt. Sie tritt der überdies in den Hintergrund und wird kaum wahrgenommen, denn vor dieser immergrünen Wand haben sechs Hochstamm-Spaliere aus Hainbuche Platz genommen (...)" (Gärten des Jahres 2018, S. 170/ 171).


Mehr zu den gängigsten Heckengehölzen für geschnittene Hecken und deren geeigneter Einsatzmöglichkeiten lesen Sie hier. Warum Pflanzenverwender keine so großen Fans von Kirschlorbeer und Thuja sind und welche Alternativen es zu diesen beiden sehr verbreiteten, aber ökologisch zweifelhaften Heckengehölzen gibt, können Sie hier erfahren.






Die beliebtesten Solitärgehölze und Sträucher


  1. (155) Hydrangea spec. Gruppe der Hortensien (ohne H. petiolaris)
  2. (92) Acer spec. Gruppe der Japanische Zierahorne (alle Arten/ Sorten)
  3. (91) Buxus spec. Buchsbaum
  4. Rosa spec. Rose
  5. Rhododendron Gruppe der Rhododendron
  6. Cornus spec. Gruppe der (Zier-)Hartriegel
  7. Sinarundinaria/ Fargesia, Phyllostachys Gruppe der Bambus
  8. Pinus spec. Gruppe der Kiefern
  9. Hedera spec. Gruppe der Efeu
  10. Magnolia spec. Gruppe der Magnolien
  11. Viburnum spec. Gruppe der Schneebälle
  12. Parrotia persica Eisenholzbaum
  13. Syringa spec. Gruppe der Flieder und Hamamelis spec. Gruppe der Zaubernüsse
  14. Cupressus spec. (meist C. sempervirens) Gruppe der Zypressen
  15. Buddleja spec. Gruppe der Schmetterlingssträucher
Beliebte Sträucher

Die Gruppe der Zier-Ahorne ist groß, deren Beliebtheit in der Pflanzenverwendung gründet in schönem Habitus und oft pachtvoller Herbstfärbung wie hier bei einem Eisenhutblättrigem Japanischen Ahorn (Acer japonicum 'Aconitifolium') in voller Herbstfärbung (Planung: Landschaftsarchitektin Christine Vogt, Borstel-Hohenraden)


Die große Beliebtheit von Hortensien freut uns als Produzent großer Stückzahlen im Rahmen unseres Sommersortiment natürlich ganz besonders.


In seiner Gartenkolumne aus dem August 2017 für die Gartenpraxis schrieb Staudenprofi Jürgen Pfenningschmidt scharfzüngig und pointiert wie stets zum allpräsenten Dauerbrenner Hydrangea arborescens ‘Annabelle‘:


„Kirschlorbeer steht nur für dösige Gedankenlosigkeit. ‘Annabelle‘ hingegen begegnet uns gern als Botin einer höheren Gartenkultur. (…) Annabelle kommt stets einher mit Buchseinfassung und Buchskugel. Hinter diesem Dreigestirn der Langeweile steht die Person der kultivierten Gartenlady. Die kultivierte Gartenlady liebt monochrome Gärten (also Weiß in jeder Schattierung) und kennt die Gärten Europas.“

Betrachten wir Pflanzengruppen, so dominieren die Hortensien – bei mehr als der Hälfte der Gärten werden Hortensien verwenden - wobei Hydrangea arborescens 'Annabelle' (Schneeball-Hortensie) diese Gehölzgruppe in der Gartenverwendung bestimmt.


Überrascht hat uns die nach wie vor massive Verwendung von Buchsbaum, sowohl als Einfassungshecke wie auch (kostspielige) Formschnitt-Solitärs vor dem Hintergrund des Buchsbaum-Siechtums landauf, landab. Allerdings scheint sich Taxus immer häufiger als gesündere Buchsbaumalternative durchzusetzen.

Hydrangea arborescens Annabelle Blütenbälle

Teil des Dreigestirns der Langeweile im Garten? Auf jeden Fall jedes Mal überwältigend: Die Größe der Blütenbälle und die lange Blütezeit von Hydrangea arborescens 'Annabelle', der Schneeball-Hortensie






Die beliebtesten Klettergehölze


  1. (22) Hedera spec. Gruppe der Efeu
  2. (18) Wisteris spec. Gruppe der Blauregen
  3. (17) Rosa Gruppe der Kletterrosen
  4. Hydrangea petiolaris Kletterhortensie
  5. Vitis Echter Wein
  6. Parthenocissus spec. Gruppe der Wilden Weine
Wisteria sinensis

Wisteria sinensis (Blauregen) in voller Blüte an Backsteinwand

Zahlreiche der vorgestellten Gartenprojekte hätten problemlos ein Mehr an Klettergehölzen vertragen: Während an Altbauten gelegentlich wunderschöne alte (und neu gepflanzte) Kletterpflanzen zu sehen sind, finden sich bei Neubauten Klettergehölze allenfalls auf Respektabstand zu Fassaden an gesonderten Konstruktionen oder an Gartenmauern – wobei einige der Gartenmauern wahrscheinlich zu teuer waren, als dass sie von Klettergehölzen verdeckt werden sollen…


Blauregen (Wisteria) wird häufig mit ganz besonderen, sogar den Gartenraum prägenden Rankkonstruktionen verwendet wie beispielsweise im prämierten 'Garten des Jahres 2021' in Reinbek, wo die weiß blühenden Sorte Wisteria sinensis 'Alba'  verwendet wurde (Landschaftsarchitekt Soeren von Hoerschelmann).


Kletterrosen und Echter Wein finden sich häufig bei der Begrünung von Laubengängen. Lag es an der Fotojahreszeit? Bei nur zwei der vorgestellten Gärten konnten Clematis entdeckt werden.

Miscanthus sinensis







Die beliebtesten Gräser


  1. (66) Miscanthus sinensis i.S. Gruppe der China-Schilfe
  2. (51) Pennisetum spec. Lampenputzergras
  3. (31) Carex spec. Gruppe der Japanseggen
  4. Hakonechloa macra u.S. Japan-Berggras u. Sorten
  5. Calamagrostis acutiflora ‘Karl Foerster‘ Garten-Reitgras
  6. Panicum virgatum i.S. Gruppe der Rutenhirsen
  7. Luzula sylvatica Waldmarbel und Luzula nivea Schneeweiße Hainsimse
  8. Stipa-Arten und Sorten Gruppe der Federgräser  

In der Kategorie Gräser geht der klare ‘Sieg’ an die langlebigen und strukturstarken China-Schilfe (Miscanthus). Die Gräserverwendung konzentriert sich sehr stark auf die Arten der Top 8. Nur vereinzelt lassen sich Festuca, Molinia oder Sesleria in den untersuchten Projekten identifizieren (die dann i.d.R. in ausgesprochenen Gräsergärten zu finden waren) oder die Gräser ließen sich aufgrund des Zeitpunktes der Fotografie noch nicht klar erkennen.


Wahrscheinlich ist die tatsächliche Zahl der Gärten mit  Carex und Luzula höher, stehen diese oft in schattigen Partien als funktionale Bodendecker verwendeten Gräser doch i.d.R. nicht im Fokus der Gartenfotografen.

Ein hinreissendes Paar: Weißrindige Himlaya-Birken (Betula jacquemontii) inmitten windbewegter China-Schilfe (Miscanthus sinensis i.S.) (Planung: BHF Landschaftsarchitekten, Kiel)







Die beliebtesten Stauden und Zwiebelblüher


  1. (79) Allium spec. Gruppe der Zierlauche
  2. (78) Lavandula angustifolia i.S. Gruppe der Garten-Lavendel
  3. (74) Geranium spec. Gruppe der Storchschnabel, v.a. Sorte 'Rozanne'
  4. (68) Salvia spec. Gruppe der Salbei
  5. (64) Hosta spec. Gruppe der Funkien
  6. Nepeta spec. Gruppe der Katzenminzen
  7. Alchemilla mollis und A. epipsila Gruppe der Frauenmantel
  8. Echinacea purpurea i.S. (auch weiße Sorten wie 'Alba‘) Gruppe der Purpursonnenhüte
  9. Verbena bonariensis Patagonisches Eisenkraut
  10. Gruppe der Farne sowie Iris spec. Gruppe der Iris
  11. Gaura lindheimeri i.S. Gruppe der Prärielilien
  12. Sedum telephium u. Hybriden Gruppe der hohen Fetthennen
  13. Hemerocallis spec. Gruppe der Taglilien
  14. Anemone spec. Gruppe der Herbst-Anemonen
  15. Phlox spec. Gruppe der Phlox
  16. Epimedium spec. Gruppe der Elfenblumen
  17. Heuchera spec. Gruppe der Purpurglöckchen
  18. Agastache spec. Gruppe der Duftnesseln
  19. Rudbeckia i.S. Sonnenhut und Paeonia Gruppe der Pfingstrosen
  20. Delphinium spec. Gruppe der Rittersporne
  21. Liriope muscari Lilientraube und Helleborus Gruppe der Lenz- und Christrosen
  22. u.a. Campanula Gruppe der Glockenblumen, Calamintha nepeta Bergminze, Stachys Wollziest sowie Fragaria vesca Walderdbeere


Geophyten bleiben aufgrund fehlender frühjahreszeitlicher Gartenabbildungen unberücksichtigt

Beliebte Stauden: Allium, Salvia und Lavendel

Staudenhits: Das Farbspiel der Blüten von Zier-Lauch, Salbei-Sorten und Lavendel entfalten eine farbliche Kernschmelze (Planung: Christian Meyer, Garten- und Bepflanzungsplanung, Berlin)

Zier-Lauch, Lavendel und die Gruppe der Storchschnäbel stehen ganz oben auf der Verwendungsliste der Profis. Vor allem mit der Verwendung von Zier-Lauch werden beim Kunden nach wie vor offene Türen eingerannt. Der Zwiebelblüher lässt sich als Side-Kick fast immer einstreuen - es werden jedoch auch Gärten vorgestellt, in denen tausende Allium als Masseneffekt gesetzt wurden.


Die Prärielilie Gaura lindheimeri und deren Sorten sowie das Patagonische Eisenkraut Verbena bonariensis können aus unserer Sicht noch zu den typischen Newcomern gezählt werden, die über beispielgebende Verwendung in Pflanzungen auf Gartenschauen auch bei Gartenplanungen zunehmende Verbreitung finden.


Vielfach wurden in Gärten typische Küchenkräuter wie Oregano, Rosmarin, Thymian, Schnittlauch oder Dill verwendet - die Gruppe der Kräuter zusammengenommen hätte auf jeden Fall auch einen Platz in den Top 15 verdient.


Ansonsten: Eher keine Überraschungen bei der Staudenverwendung, wobei sich die ein wenig irrationale Ablehnung gelbblühender Stauden seitens vieler Verwender und Gartenfreunde durchaus niederschlägt.









Pflanzenkombination aus dem Best of?


Als Standardtanz einer ‚konventionellen‘ Pflanzenverwendung in Privatgärten kann (je nach Standortbedingungen) folgende Pflanzenkombination gelten, die sich auch so oder zumindest in Teilen vielfach in den Büchern findet:


  • Felsenbirne (gerne mehrstämmig und mit schirmförmig erzogener Krone)
  • Bauern- oder Schneeballhortensiensorten
  • Formschnittgehölze und -beeteinfassungen (Buchsbaum oder Eibe)
  • Zier-Lauch plus Frauenmantel plus Salbei und/ oder Lavendel mit Rose
  • Dauerblüher Geranium ‘Rozanne‘ 
  • dazu noch einige dankbare Zwiebelblüher wie Narcissus ‘Ice Follies‘ oder Narcissus poeticus ‘Actaea‘ (Narzissen tauchen zu den Fotozeitpunkten anders als Tulpen in den Büchern nicht auf)
  • an der Hauswand oder der Pergola ein Blauregen
  • Kübelbegrünung mit Hosta, Heuchera oder (auf der Sonnenterrasse) Agapanthus…










Alte Sortimente, neue Herausforderungen


Gartengestalterin und Vizepräsidentin der Staudenfreunde Dorothea Steffens hat sich mit dem Thema Klimawandel im Garten beschäftigt und eine kleine bundesweite Facebook-Umfrage unter 33 Gärtnerinnen und Gärtnern gestartet. Sie wollte heraushören, welche Pflanzen als Gewinner und welche als Verlierer in den vergangenen Jahren mit teils extremer Trockenheit in unseren Gärten eingeschätzt werden.


Den vollständigen Text können Sie nachlesen auf dem Blog von Pflanzenverwenderin Petra Pelz .


Dieses Stimmungsbild ist im Zusammenhang mit unserer kleinen (auch nicht repräsentativen) Übersicht der am häufigsten in professionell angelegten Gärten verwendeten Pflanzen auch deshalb interessant, weil es gleich drei TOP 1 Pflanzen betrifft:


Hauptverliererin im Garten ist leider die Nummer 1 der Sträucher im Garten: die Hortensie. Steffens schreibt: „Ohne Wassergaben ist ein Überleben, trotz bestem Standort, nicht möglich. Selbst das standortgerechte Pflanzen ist hier kein Garant für gutes Gedeihen mehr.“











Die Farbe Gelb im Garten


Zählt die unverwüstliche 'Universalstaude des Landschaftsbaus'  Frauenmantel (Alchemilla) vielleicht noch eher als Blattschmuckstaude mit gelbgrünlicher Blüte, so schaffen es mit Taglilie (Hemerocallis) und Sonnenhut (Rudbeckia) gerade einmal zwei gelbblühende Vertreter in das hintere Drittel der Liste.


Noch einmal lassen wir Jörg Pfenningschmidt als Staudenliebhaber zu Wort kommen (aus seiner Kolumne ‚Niemals‘ aus der Gartenpraxis, Ausgabe November 2015).


„(…) frage die Kunden nie nach ihren Lieblingsfarben. (…) Denn jetzt haben Sie sich um den Einsatz von gelb blühenden Stauden gebracht. 95 % aller Kundinnen (und nur denen wir die verheerende Farbfrage gestellt, Männern ist die Farbe völlig wurscht) mögen kein Gelb. (…)“

Im Interview zum neuen VITRA-Garten in Weil am Rhein, erschienen im ICONIST sowie in der WELT am SONNTAG vom 27.06.21 relativiert der der international vielleicht renommierteste zeitgenössische Pflanzenverwender, Piet Oudolf, ohnehin die Bedeutung der Blüte und der Blütenfarbe in der Pflanzenverwendung:



„Gelb kann sehr dominant sein. Aber ich setze diese Pflanzen durchaus ein, denn die Blühperiode dauert ja nur ein paar Wochen. Es hängt vom Charakter der Pflanze ab und davon, was von ihr übrigbleibt, das einen Garten interessant macht. (…) Bei der Gestaltung eines Gartens geht es nicht um eine Pflanze, die blüht, sondern darum, wie sie mit all den anderen Pflanzen zusammenwirkt (…). Man muss die Qualitäten einer Pflanze über alle Jahreszeiten hinweg betrachten. Sie kann früh blühen, aber sie kann im November immer noch wundervoll aussehen, weil ihr Skelett so schön ist. Es gibt fantastische Disteln. Oder auch Eryngium, Achillea, Echinacea. Solche Pflanzen, die über die Jahreszeiten hinweg reizvoll aussehen, bilden das Grundgerüst meiner Gärten.“



Wenn Sie mehr zum Thema Gelb im Garten erfahren wollen, legen wir Ihnen einen Beitrag aus der FAZ von 2017 „Gelb im Garten - Aufdringlich fröhlich“  von Ina Sperl, Pflanzenliebhaberin, Gärtnerin und Journalistin, ans Herz.

Rudbeckia

"Die Farben der Blumen zogen mich unwiderstehlich an...die Reinheit dieser Farben, ich liebte sie" (Emil Nolde) Sonnenhut (Rudbeckia) im Nolde-Garten in Seebüll Anfang Oktober

Gartenstandards

Einige Pflanzenverwender und Pflanzenfetischisten dürfen nun die Nase rümpfen ob so viel Konventionalität – aber diese Pflanzen bilden ein starkes Grundgerüst – sozusagen die Korsettstangen einer Pflanzung.


Doch es ist ein anderer Aspekt, der auch angesichts der hier vorgestellten Top-Listen viel drängender scheint: Welche Pflanzen lassen sich schon heute und künftig guten Gewissens verwenden, um dem Thema Klimawandel – und hier vor allem der zunehmenden Sommertrockenheit - zu begegnen?

Pflanzenverwendung mit dem 'Best of' - das ist möglich und findet sich so oder variiert in einer Reihe der in den 'Gärten des Jahres' vorgestellten Projekten - vor allem scheinen diese Pflanzen für einige Planer als DNA eines sogenannten 'Hamburger Villengartens' gesetzt zu sein...

Auch auf die Verliererseite werden u.a. Rhododendron, Buchen, Fichten und Thuja sowie eine Reihe von Stauden wie Astilben, Phlox und leider auch die wunderschönen Herbstanemonen (Anemone hupehensis i.S.) einsortiert.


Dagegen wurde als ‚gut die Trockenheit überstanden‘ unsere Nummer 1 bei den Bäumen genannt: die Felsenbirne. Felsenbirnen haben wir allerdings im Sommer 2018 (und auch 2019) auch in Norddeutschland leiden sehen mit vorzeitigem Laubfall.


Bei den Stauden und Zwiebelpflanzen stehen die Top 1, die Gruppe der Allium (gefolgt von Lavandula) auf der Gewinnerseite sowie ganz allgemein die Gruppe der (Prärie-)Gräser.


Derartige Beobachtungen von Gewinnern und Verlierern wird sich für einen Erfolg von Bepflanzungsplanungen künftig viel stärker in den Prozess der Pflanzenverwendung widerspiegeln müssen. Denn es scheint nicht unwahrscheinlich, dass zumindest aus dem Trinkwassernetz gespeiste künstlichen Gartenbewässerungen künftig während Trockenperioden der Hahn abgedreht wird – und eine zusätzliche Bewässerung von Pflanzflächen im öffentlichen Raum schon heute gar nicht leistbar ist.


Für unsere geliebten Hortensien könnte im Privatgarten zumindest die Kübelkultur eine Alternative sein…

Hydrangea paniculata im Quartier

So sieht die Klima-Verlierer-Pflanzengruppe aus: Die durstigen Hortensien könnten es außerhalb betreuter Kübelpflanzungen künftig schwer haben - die Gruppe der Rispenhortensien (Hydrangea paniculata) erscheint hinsichtlich Trockenstress noch am tolerantesten 

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Inh.: Bettina Stoldt, Dipl.-Ing. agr. (FH)

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