Ballenmaterial entfernen ?

Unter dieser Überschrift berichtet Heike Hoppe in der TASPO Nr. 45 vom 09.11.2018 über eine auf dem 22. Ditfurter Straßenbaumtag kontrovers geführte Diskussion.


Dr. Axel Schneidewind, Versuchsleiter des Zentrums für Gartenbau und Technik in Quedlinburg, empfiehlt, bei Baumpflanzungen das komplette Ballenmaterial beim Pflanzvorgang zu lösen, also Drahtkorb und Ballenleinen (Jutegewebe). 

Das Drahtgeflecht solle beim in die Baumgrube eingesetzen Ballen heruntergebogen werden, könne aber mit dem Ballenleinen am Boden der Grube verbleiben. Damit werde ein ungehindertes seitliches Wurzelwachstum des Baumes ermöglicht. Balliertuch und Draht hätten nach dem Transport ohnehin keine Funktion mehr und würde eher als Wurzelsperre wirken. Schneidewind fordert, diesen Ablauf in die FLL-Empfehlungen für Baumpflanzungen zu übernehmen.

Weiter wird der in der TASPO zitiert:

"Nur bei der Pflanzung haben wir die einmalige Chance, das Wurzelwerk in Augenschein zu nehmen und Ballierwunden glatt nachzuschneiden, um Fäulnis zu verhindern und die Neuwurzelbildung zu fördern" - und vergleicht dies dann mit der eingeübten Praxis von Wurzelvorhang/ Wurzelgraben bei Großbaumverpflanzungen.

Peter Renken (Baumschule Bruns, Bad Zwischenahn) wird von der TASPO zu diesem Thema um seine Einschätzung gebeten. Er rät dringend davon ab, Ballenleinen oder Draht zu entfernen. Der Ballen könne dadurch beschädigt werden oder der Baum seine Stabilität verlieren. Er verweist darauf, dass die verwendeten Materialien im Boden vollständig vergingen.


Wir schließen uns dieser Einschätzung unbedingt an. 

Das Verfahren, verknotetes Ballentuch sowie den Drahtkorb lediglich am Wurzelhals/ Stammansatz zur Vermeidung von Einschnürungen zu lösen, ist jahrzehntealte gut gelebte und erfolgreiche Praxis. Der durch die Kombination von Ballentuch und Drahtgeflecht stabilisierte Ballen wird so auch für die häufig verwendeten Unterflur-Verankerungssysteme ertüchtigt.

Wir möchten den Blick auf die alltägliche Praxis richten:

Die Realität auf Baustellen des Garten- und Landschaftsbaus sieht so aus: Pflanzpersonal hat häufig bereits bei fehlenden Etiketten allergrößte Schwierigkeiten, unterschiedliche zu pflanzende Baumarten überhaupt voneinander zu unterscheiden. Ein fachgerechter Pflanzschnitt von zu pflanzenden Bäumen hat (wenn überhaupt durchgeführt) Seltenheitswert. Jetzt sollen von den gleichen Mitarbeitern tatsächlich auf der Baustelle Ballen geöffnet, Feinwurzeln in Augenschein sowie Ballierwunden nachgeschnitten und versorgt werden ?

Der Vergleich mit Großbaumverpflanzungen ist nicht zutreffend. Dort bestehen ganz andere Herausforderungen und Randbedingungen als bei der Pflanzung von Straßenbaumqualitäten aus der Baumschule. Das bereits artgerecht weit ausgebreitete Wurzelwerk eines nicht regelmäßig verschulten Großbaumes muss selbstverständlich vollkommen anders für eine erfolgreiche Verpflanzung vorbereitet werden.

Die Forderung, bei Straßenbaumpflanzungen Ballenleinen und Draht vollständig zu entfernen, um eine "Feinwurzelkontrolle sowie einen Ballierwundnachschnitt" vornehmen zu können, wird den Praxistest nicht bestehen.

Sehr geehrter Herr Dr. Schneidewind: Bitte liefern Sie zunächst wissenschaftlich belegte Zahlen unter Bedingungen der Baustellenpraxis zu Fäulnis und Wurzelsperren-Wirkung mit und ohne vollständiger Ballenöffnung.

Noch besser: Forschen Sie zur Bedeutung der Bewässerung frisch gepflanzter Bäume als viel entscheidender Anwachsfaktor - und kämpfen gegen den immer noch praktizierten Einbau der dafür als 'Bewässerungsset' beworbenen aber vollkommen ungeeigneten gelben DN 100er Drainrohr-Plastikring-Würste !




Veröffentlicht in Baumschule am 11.11.2018 17:18 Uhr.

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