Mein Lieblingsgehölz ist ...

Der persönliche Favorit unter den Gehölzen ? Gar nicht so spontan zu beantworten angesichts des riesigen Sortiments. Wir fragen in einer unregelmäßigen Serie:  Welches ist Ihr Lieblingsgehölz ?



Horst Bradfisch
ist der Gründer der Baumschule. Sein Lieblingsgehölz ?

"Mein Lieblingsgehölz ist Rosa rugosa (Kartoffel-Rose). Dieses Gehölz vereint eine lange Blütezeit, herrlichen Duft und leuchtende Hagebutten in einem vollkommen robusten, unkompliziertem Wesen. Rosa rugosa wächst und funktioniert  fast überall. Obwohl nicht heimisch, passt sie mit ihrem naturhaften Charme vor allem in Natur- und Küstengärten und weckt Urlaubserinnerungen an der Nordsee.


Veröffentlicht in Lieblingsgehölz am 18.11.2018 12:21 Uhr.

Ballenmaterial entfernen ?

Unter dieser Überschrift berichtet Heike Hoppe in der TASPO Nr. 45 vom 09.11.2018 über eine auf dem 22. Ditfurter Straßenbaumtag kontrovers geführte Diskussion.


Dr. Axel Schneidewind, Versuchsleiter des Zentrums für Gartenbau und Technik in Quedlinburg, empfiehlt, bei Baumpflanzungen das komplette Ballenmaterial beim Pflanzvorgang zu lösen, also Drahtkorb und Ballenleinen (Jutegewebe). 

Das Drahtgeflecht solle beim in die Baumgrube eingesetzen Ballen heruntergebogen werden, könne aber mit dem Ballenleinen am Boden der Grube verbleiben. Damit werde ein ungehindertes seitliches Wurzelwachstum des Baumes ermöglicht. Balliertuch und Draht hätten nach dem Transport ohnehin keine Funktion mehr und würde eher als Wurzelsperre wirken. Schneidewind fordert, diesen Ablauf in die FLL-Empfehlungen für Baumpflanzungen zu übernehmen.

Weiter wird der in der TASPO zitiert:

"Nur bei der Pflanzung haben wir die einmalige Chance, das Wurzelwerk in Augenschein zu nehmen und Ballierwunden glatt nachzuschneiden, um Fäulnis zu verhindern und die Neuwurzelbildung zu fördern" - und vergleicht dies dann mit der eingeübten Praxis von Wurzelvorhang/ Wurzelgraben bei Großbaumverpflanzungen.

Peter Renken (Baumschule Bruns, Bad Zwischenahn) wird von der TASPO zu diesem Thema um seine Einschätzung gebeten. Er rät dringend davon ab, Ballenleinen oder Draht zu entfernen. Der Ballen könne dadurch beschädigt werden oder der Baum seine Stabilität verlieren. Er verweist darauf, dass die verwendeten Materialien im Boden vollständig vergingen.


Wir schließen uns dieser Einschätzung unbedingt an. 

Das Verfahren, verknotetes Ballentuch sowie den Drahtkorb lediglich am Wurzelhals/ Stammansatz zur Vermeidung von Einschnürungen zu lösen, ist jahrzehntealte gut gelebte und erfolgreiche Praxis. Der durch die Kombination von Ballentuch und Drahtgeflecht stabilisierte Ballen wird so auch für die häufig verwendeten Unterflur-Verankerungssysteme ertüchtigt.

Wir möchten den Blick auf die alltägliche Praxis richten:

Die Realität auf Baustellen des Garten- und Landschaftsbaus sieht so aus: Pflanzpersonal hat häufig bereits bei fehlenden Etiketten allergrößte Schwierigkeiten, unterschiedliche zu pflanzende Baumarten überhaupt voneinander zu unterscheiden. Ein fachgerechter Pflanzschnitt von zu pflanzenden Bäumen hat (wenn überhaupt durchgeführt) Seltenheitswert. Jetzt sollen von den gleichen Mitarbeitern tatsächlich auf der Baustelle Ballen geöffnet, Feinwurzeln in Augenschein sowie Ballierwunden nachgeschnitten und versorgt werden ?

Der Vergleich mit Großbaumverpflanzungen ist nicht zutreffend. Dort bestehen ganz andere Herausforderungen und Randbedingungen als bei der Pflanzung von Straßenbaumqualitäten aus der Baumschule. Das bereits artgerecht weit ausgebreitete Wurzelwerk eines nicht regelmäßig verschulten Großbaumes muss selbstverständlich vollkommen anders für eine erfolgreiche Verpflanzung vorbereitet werden.

Die Forderung, bei Straßenbaumpflanzungen Ballenleinen und Draht vollständig zu entfernen, um eine "Feinwurzelkontrolle sowie einen Ballierwundnachschnitt" vornehmen zu können, wird den Praxistest nicht bestehen.

Sehr geehrter Herr Dr. Schneidewind: Bitte liefern Sie zunächst wissenschaftlich belegte Zahlen unter Bedingungen der Baustellenpraxis zu Fäulnis und Wurzelsperren-Wirkung mit und ohne vollständiger Ballenöffnung.

Noch besser: Forschen Sie zur Bedeutung der Bewässerung frisch gepflanzter Bäume als viel entscheidender Anwachsfaktor - und kämpfen gegen den immer noch praktizierten Einbau der dafür als 'Bewässerungsset' beworbenen aber vollkommen ungeeigneten gelben DN 100er Drainrohr-Plastikring-Würste !




Veröffentlicht in Baumschule am 11.11.2018 17:18 Uhr.

Efeu am Baum: Freund oder Feind ?

Efeu (Hedera helix) an alten Bäumen - das ist keine Seltenheit. Efeu ist sogar an abgestorbenen Stämmen zu sehen -  oder ist gar der Efeu am Baumtod schuld ?



Gekappt am Stammfuß: Es bleibt vertrocknetes Geflecht am Baum - aber der Efeu gibt nicht auf ...

Efeu ist ein immergrünes Klettergehölz, das mittels Haftwurzeln 20 bis 30 m hoch klettert. Neben den Haft- oder auch Luftwurzeln verfügt das Gehölz über Nährwurzeln. Diese beiden Wurzeltypen sind arbeitsteilig organisiert: Die Haftwurzeln klettern, die im Boden wurzelnden Nährwurzeln stellen die Wasser- und Nährstoffversorgung sicher.

Interessant ist, dass Efeu-Sämlinge von Anfang an klettern. Bei den Trieben großer Exemplare aus der Baumschulkultur muß in der Regel nachgeholfen werden - sie müssen geheftet, eingeflochten oder angebunden werden, denn die Pflanzen beginnen ihre Klettertour mit frischen Trieben vom Boden aus.

Immer wieder ist zu beobachten, dass alte Efeupflanzen, die vor Jahrzehnten hoch und breit in große und alte Bäume geklettert sind, am Stammfuß gekappt werden (siehe obenstehendes Bild). Der Efeu vertrocknet anschließend in der Baumkrone. Die Triebe bleiben dauerhaft als unschöne Triebskelette am Baum haften.

Der BUND (Kreisgruppe Hannover) ist der Frage nachgegangen, ob Efeu ein freundlicher Klettermaxe oder ein fieser Baumkiller ist und daher derartige Kappungen vielleicht berechtugt sind, um den Gerüstbaum zu erhalten.

In einem Aufsatz wird ein ganzer Strauß an Verdächtigungen einem umfangreichen und quellengespeistem Faktencheck unterzogen, den wir hier in kommentierter Kurzform wiedergeben möchten  (Die gesamte Untersuchung können Sie hier lesen: http://region-hannover.bund.net/uploads/media/Efeu_und_Baeume.pdf):


Efeuwurzeln bohren den Wirtsbaum an und saugen ihn aus !

Falsch !

Die sprossbürtigen Haftwurzeln sind nicht zur Wasseraufnahme fähig sondern dienen ausschließlich als Kletterhilfe. Lediglich bei Bodenkontakt können sie sich in Nährwurzeln umwandeln. Wäre der Efeu wie behauptet ein Vampir, so müsste er auch nach Kappung des Saftstroms von unten weiterleben - tut er aber nicht.


Efeu überwuchert die Baumkrone und schädigt den Baum durch Verdunkelung !

Kommt darauf an ...

An allen Waldbaumarten wurde beobachtet, dass der mittlere Abstand des Efeus zur Kronenspitze vier Meter und mehr betrug. Efeu haftet ganz überwiegend an Stamm und Starkästen des Baumes, nicht aber in den feinen Kronenverästelungen, an denen beim Baum die für die Photosynthese entscheidende Blattmasse wächst.


Alter Efeu an sehr alten Stiel-Eichen: Efeu dringt nicht bis in die Kronenspitzen mit der Blattmasse des Baumes vor

Bei kleineren bzw. jüngeren, kranken oder am Ende ihres Lebenszyklus stehenden Bäumen kann jedoch ein Überwachsen der entsprechend kleineren bzw. sehr lichten Krone beobachtet werden. Dies kann den Niedergang des Baumes verursachen bzw. ihn beschleunigen. Prof. Warda empfiehlt in seinem Standardwerk 'Das große Buch der Garten- und Landschaftsgehölze' (Bruns Pflanzenexport, 1998): Efeu "sollte nur in größere und ältere Bäume gesetzt werden."


Efeu schädigt die Baumrinde, weil Efeu den Kontakt zu Luft und Licht abschneidet !

Eher das Gegenteil ist der Fall:

Efeubewachsene Stämme können wie bei Eichen sogar vor Frostrissen schützen, weil sie den Baumstamm verschatten. Wird ein Efeu-Vorhang nachträglich von Stämmen sonnenempfindlicher Baumarten wie der Rot-Buche (Fagus sylvatica) entfernt, droht dem Baum der Rindenbrand.


Efeu erdrosselt den Stamm !

Falsch:

Die kletternden Triebe schlingen sich in der Regel und im Unterschied zum Geißblatt (Lonicera) kreis- oder spiralförmig um den Stamm des Baumes und strangulieren diesen, sondern streben aufrecht und bilden allenfalls auf Teilflächen eine Art Netz.


Hier wird nicht gewürgt: Efeutriebe klettern aufrecht und schlingen nicht spiral- oder kreisförmig

Efeu schwächt den Wirtsbaum durch sein Gewicht und erhöht die Gefahr, dass der Baum bei Stürmen oder unter Schneelast bricht bzw. umkippt !

Jein !

Selbstverständlich trägt ein Efeu-Baum ein erhebliches Zusatzgewicht. Allerdings ist wie das Baumwachstum selbst auch der Efeu-Gewichtszuwachs ein allmählicher Prozess. Der Baum kann diesem Umstand mit einem angepassten Wurzelwachstum begegnen, ganz so, wie es Bäume auf unterschiedlichen Standorten (Windexposition ...) zeigen, lautet unsere These.

Die zusätzliche Segelwirkung ist bei nassen Herbst- und Winterjahren von Bedeutung. So führten im sehr nassen Jahr 2017 frühe Stürme bei voller Belaubung und gleichzeitig aufgeweichtem Boden zu zahlreichen umgestürzten Bäumen. Außerdem steht zu vermuten, dass eine Segelwirkung bei kleineren Bäumen relativ stärker ins Gewicht fällt, so dass jüngere/ kleinere Bäume eher durch Windwurf gefährdet sein könnten.

Im städtischen Bereich wird aber die Vitalität mutmaßlich viel stärker durch mangelhafte Baumstandorte und das für den Baum stressige Stadtklima beeinflusst werden.


Efeu bedeutet schädigende Wurzelkonkurrenz um Wasser und Nährstoffe !

Falsch:

Der BUND zitiert Beobachtungen, die gezeigt hätten, das sogenannte 'Efeu-Eichen' (Eichen würden besonders gerne von Efeu aufgesucht) "in Wuchs und in gesunder Kraft die efeufreien Eichen merklich übertreffen" (Gustav Hegi in: Die illustrierte Flora in Mitteleuropa, 1926).

In einer Untersuchung in Auenwäldern am Oberrhein kommen die Verfasser zum Ergebnis, dass das sich leicht zersetzende und bereits im (Früh-)Sommer fallende Efeu-Falllaub einen positiven Effekt auf die Stoffumsätze im Laubstreu hat. Das Bodenleben werde gefördert, so dass Efeu zur Pflanzenernährung auch des Gerüstbaumes beitrage und eine eher unterstützende als konkurrierende Pflanze sei. (Trémolieres et. al, 1988 in: Um example d'interaction non compétetive entre espèces ligneuses: Le cas du lierre arborescent (Hedera helix) - Acta Oecologiga/ Oecologica Planta).


Efeu hat Baum getötet ? Nein, die Douglasie wurde gefällt, weil zu groß. Der Stamm wurde stehengelassen und dient nun dem Efeu als Klettergerüst


Fazit:

Efeu ist weder Baumkiller noch Schmarotzer, sondern ein Klettergehölz, das Bäume als Klettergerüst verwendet. Efeu wird womöglich nicht unbedingt die Vitalität des Baumgerüstes erhöhen und kann andererseits den Niedergang bereits kränkelnder Bäume beschleunigen. Efeu sollte nicht an junge oder wenig vitale Bäume gepflanzt werden.

Kletternder Efeu besitzt neben der Wohlfahrtswirkung für das Stadtklima, des winterlichen Zierwertes bis hin zur (garten-) denkmalpflegerischen Bedeutungauch einen hohen ökologischen Wert: Als Nistplatz für Singvögel und als späte und darum besonders wertvolle Bienenweide.


Veröffentlicht in Pflanzenverwendung am 08.11.2018 15:37 Uhr.

Mein Lieblingsgehölz ist ...

Der persönliche Favorit unter den Gehölzen ? Gar nicht so spontan zu beantworten angesichts des riesigen Sortiments. Wir fragen in einer unregelmäßigen Serie:  Welches ist Ihr Lieblingsgehölz ?



Margit Dolaßek als unsere Kundenbetreuerin im Verkauf ist täglich mit einer Vielzahl unterschiedlichster Gehölzanfragen beschäftigt. Ihre Antwort nach einem Lieblingsgehölz beantwortet sie so:

"Mein Lieblingsgehölz ist Fagus sylvatica f. purpurea (Blut-Buche). Schon als Kind hat mich der urwüchsige Baum mit dem massiven Stamm und seinem roten Laub im Garten meiner Eltern fasziniert. Von weitem ein Blickfang - Schutz und Geborgenheit vermittelnd."




Veröffentlicht in Lieblingsgehölz am 31.10.2018 18:27 Uhr.

Dingdongdodong, Herbstfärbung ist da !

In unserer Vorstellung schöner Herbstfärber fehlen bislang die Vertreter der Gattung der Mehlbeeren (Sorbus). Das wollen wir ändern und reichen jetzt den Sorbus mit der schönsten Herbstfärbung nach.



Die Gattung der Mehlbeeren (Sorbus) umfasst etwa 100 Arten auf der Nordhalbkugel. Denken wir an die typischen hierzulande als Bäume gepflanzten Sorbus aria, Sorbus aucuparia und die Kreuzungen Sorbus x arnoldiana und Sorbus x intermedia, so fallen zunächst das schöne Laub und der typische reichliche Fruchtbehang im Herbst auf. Viele Mehlbeeren bieten aber auch eine prächtige Herbstfärbung.

Die unserer Meinung nach im Herbst schönste Mehlbeere ist eine Selektion der Japan-Eberesche (Sorbus commixa) und hört auf den Sortennamen 'Dodong'.

Das klingt asiatisch und das ist es auch:

Als im Jahr 1976 Mitarbeiter einer schwedischen Baumschule nach Asien reisten, um Gehölzsamen für ihren Betrieb zu sammeln, fanden sie auf der südkoreanischen Insel Ulleungdo im Japanischen Meer die auf der Insel endemisch vorkommende Art Sorbus ulleungensis, wohl eine Abspaltung der Japanischen Eberesche. Die Samen dieses Gehölzes wurden gesammelt und zurück in Schweden wurde daraus die Sorte 'Dodong' gezüchtet. Der Name Dodong geht auf den Hauptort und Hafen der Insel Ulleungdo zurück.



Der etwa bis 10 m hohe und vielleicht 6 m breite Baum der III. Ordnung zeigt zunächst einen schmal-ovalen, später eher eiförmigen Habitus. Die Krone ist halboffen, das Laub gefiedert - ähnlich wie bei unserer heimischen Eberesche (Sorbus aucuparia).

Die Herbstfärbung ist prachtvoll orange und rot und von großer Leuchtkraft. 2018 kann fast jedes Gehölz färben ;-) - doch 'Dodong' gilt als sicherer Herbstfärber, der sein Laub überdies auch noch verhältnismäßig lange hält.



Außerdem hat diese Eberesche ein für die Gattung Sorbus einzigartiges Merkmal: Diese Züchtung ist resistent gegenüber dem Feuerbranderreger ! Ach ja, Blüten hat der Baum im Frühjahr auch noch: Im Mai/ Juni blüht das Gehölz ebereschentypisch weiß in Doldenblüten



Wir kultivieren Sorbus 'Dodong' als Containerbaum und legen Ihnen dieses anspruchslose Gehölz als Solitär für wenig befestigte Flächen ans Herz !

Mehr Herbstfärber gibt es hier:

16 schöne Herbstfärber für Gärten und Parks

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16 schöne Herbstfärber für Gärten und Parks unterwegs

Veröffentlicht in Pflanzenportrait am 17.10.2018 17:47 Uhr.

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