Ciao Götterbaum ?

Invasive Arten: Die EU erweitert die Liste invasiver Arten - der Götterbaum (Ailanthus altissima) ist dabei ...



Der Götterbaum (Foto: Zoonar/ Himmelhuber)

Die EU hat mit der Durchführungsverordnung 2019/ 1262 Ende Juli 2019 die Liste invasiver Arten um 17 Arten erweitert.


Die Liste mit den dort aufgeführten Pflanzen und das damit verbundene Import-, Züchtungs-/ Vermehrungs- und Handelsverbot soll notwendiger Schutz von funktionsfähigen Ökosystemen und deren biologischer Vielfalt sein.


Nun hat es eine weit verbreitete wie bekannte Baumart getroffen: 


Den Götterbaum (Ailanthus altissima). 


Der aus China stammende Baum wurde schon zur Mitte des 18. Jahrhunderts nach Europa eingeführt.  Der Götterbaum ‚benimmt‘ sich wie eine eingebürgerte Baumart und übernimmt dabei eine ökologische Funktion vor allem im urbanen Bereich: 


So ist der Baum als Pollen—und Nektarspender eine wichtige Bienenweidepflanze und gilt (zumindest in Berlin) bereits als Haupttracht !

 

Und heimliche Hauptstadt ist Berlin wohl– kaum eine ‚ungepflegte‘ Vegetationsfläche, auf der der Götterbaum nicht anzutreffen wäre …



Sämlinge in der heimlichen Götterbaumhauptstadt Berlin 



Folko Kullmann, Chefredakteur der Gartenpraxus (Ulmer Verlag) weist in seinem Editorial ‚Ave Ailanthus‘ (GP 10/2019) auch einen anderen Gesichtspunkt nach den letzten beiden Baum-Stressjahren hin:

 

„Während Platanen und Eichen mit mehltaubestäubten, verkrüppelten Trieben kurz vor dem herbstlichen Blattwurf Standen, Rosskastanien von Miniermotten, Hitze und Trockenheit entlaubt waren und auch Linden verbrannte Blattränder zeigten, gab es immer wieder Lichtblicke, saftiges Grün im grau-braunem Einerlei: Schnurbäume, Blaseneschen, Paulownien und – Götterbäume.“

 

Und weiter: 


„Statt sich über ein Gehölz zu freuen, das mit jedem Boden zurechtkommt, auf nassen, feuchten oder knochentrockenen Standorten gedeiht, Hitze, Dürre, Luftverschmutzung sowie Wind aushält, also ein perfekter klimawandeltauglicher Straßenbaum ist, wurde der Götterbaum mit einem EU-weitem Handelsverbot belegt.“

 

Möglicherweise wird dieses Verbot keinem einzigen unter den herrschenden Extrembedingungen siechenden heimischen Baumart das Leben in der Stadt erleichtern – das muss man sich (zumindest in der Stadt) erst einmal leisten können !

 

Seitens der öffentlichen Hand (den Städten und Kommunen) bleiben landauf, landab zumindest die Privatgartenbesitzer ohnehin von Baumarten mit klimawandel-tauglichen Allroundeigenschaften verschont. 


Denn nach wie vor werden Privatmann und -frau bei Ersatzpflanzungen und Anpflanzungsverpflichtungen im städtischen Umfeld unverdrossen an die ‚Liste heimischer Baumarten‘ abkommandiert, als ob die sich unübersehbar ändernden städtischen Standortbedingungen an der Gartenpforte enden würden. 


Dieselben Kommunen schreiben für ihre eigenen Neupflanzungen die eifrig von den Baumschulen als  ‚Klimabäume‘ oder ‚Zukunftsbäume‘ beworbenen und von der Straßenbaumliste der GALK ‚abgesegneten‘ Baumarten aus. 

 

Oder wie Jörg Pfenningschmidt es in seinem Buch ‚Hier wächst nichts. Notizen aus unseren Gärten‘ (Ulmer-Verlag, zusammen mit Jonas Reif) in seiner Glosse ‚Baumschutz in Deutschland‘ feststellt: 


„Denn es geht der Behörde ja um die Stärkung der einheimischen Flora. Diese segensreiche Aufgabe überträgt man gerne dem privaten Gartenbesitzer. Der bekommt vom Amt die ehrenvolle Aufgabe, mit der einheimischen Flora und Fauna auch die Welt zu retten.“

 

So ist Folko Kullmanns abschließend geäußerte Idee für einen Götterbaum 2.0 vielleicht nachdenkenswert: Indem sich es ein Züchter in einem Nicht-EU-Staat zur Aufgabe macht, eine sterile Sorte von Ailanthus altissima zu züchten.  


Insofern wäre Ciao Götterbaum nicht nur ein Abschiedsguß, sondern könnte (wie im Italienischen gebräuchlich) auch zur Begrüßungsformel für einen weiteren 'Zukunftsbaum' werden ...


 

P.S. Der Nabu führt auf seiner Webseite die vollständige EU-Liste invasiver Arten


Veröffentlicht in Pflanzenverwendung am 09.10.2019 10:50 Uhr.

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